Politik wird zur Komödie und der Held wider Willen zur Pointe der Gegenwart
Nachdem es zuvor bereits Angela Merkel getroffen hatte, nimmt sich David Safier nun auch Armin Laschet vor und macht ihn zur Hauptfigur seines neuen Romans »00-Laschet«. Während Merkel in der »Miss Merkel«-Reihe noch in die Rolle einer Hobbydetektivin schlüpfte, wandelt Laschet nun unverkennbar auf den Spuren von James Bond. Kaum im Amt des Bundespräsidenten angekommen, erfährt er, dass die eigentliche Aufgabe seines neuen Postens darin besteht, einer geheimen Spionageorganisation, die unter dem Schloss des Bundespräsidenten operiert, den Zugang zu den höchsten politischen Kreisen zu ermöglichen. Natürlich bleibt es nicht bei dieser kuriosen Enthüllung, denn schon bald wird Laschet in ein Abenteuer hineingezogen, in dessen Verlauf er über sich hinauswachsen muss und letztlich als einziger in der Lage scheint, eine globale Bedrohung abzuwenden. Moderne Themen wie Künstliche Intelligenz, Cyberkriminalität und technologische Entwicklungen spielen dabei eine wichtige Rolle und sollen dem bewusst absurden Grundkonzept einen Bezug zu aktuellen Debatten verleihen, auch wenn diese Aspekte letztlich eher oberflächlich behandelt werden. David Safier, der zu Beginn seiner Karriere vor allem für humorvolle Liebesromane bekannt war, in denen trotz aller Leichtigkeit oftmals auch ein gewisser Ernst mitschwang, hat sich spätestens seit »Miss Merkel« zu einem Autor entwickelt, dessen Bücher weniger auf feinen Humor als vielmehr auf bewussten Nonsens und überzeichnete Situationskomik setzen. Seine Figuren sind skurril, seine Handlung überdreht, und viele Szenen leben von Slapstick und grotesken Übertreibungen. In »00-Laschet« parodiert er zahlreiche bekannte Versatzstücke klassischer Agentengeschichten, greift dabei auf vertraute Klischees zurück und kombiniert diese mit einer Hauptfigur, die denkbar weit von den typischen Eigenschaften eines Actionhelden entfernt ist. Ähnlich wie bereits bei »Miss Merkel« entsteht daraus eine Grundsituation, die den eigentlichen Reiz des Romans ausmacht und über weite Strecken die Handlung trägt. Das eigentliche Abenteuer wirkt dabei oftmals eher wie ein Vorwand, um möglichst viele absurde Szenen und Pointen aneinanderzureihen. Ohne die bewusst komische Fehlbesetzung der Hauptrolle würde die Geschichte vermutlich kaum funktionieren und könnte schnell wie eine beliebige, wenig originelle Agentenparodie wirken. Gerade die Diskrepanz zwischen der Figur Laschets und den Erwartungen an einen klassischen Geheimagenten erzeugt jedoch den Humor, auf dem der Roman aufbaut. Dabei gelingt Safier etwas Bemerkenswertes: Sein literarischer Armin Laschet wirkt deutlich sympathischer, als es sein reales Vorbild für viele Menschen jemals gewesen sein dürfte. Dadurch gewinnt die Figur trotz aller Überzeichnung einen gewissen Charme, der durchaus dazu beiträgt, die Geschichte unterhaltsam zu machen. Sollte Safier tatsächlich planen, aus »00-Laschet« eine neue Reihe zu entwickeln, wäre dafür zumindest eine tragfähige Grundlage vorhanden. Gerade in einer Zeit, in der viele Menschen von politischen Akteuren enttäuscht sind, sich nicht ausreichend vertreten fühlen oder der Politik insgesamt mit Skepsis begegnen, besitzt ein solcher Roman vielleicht sogar eine unerwartete Funktion. Indem er Politiker nicht als Autoritätspersonen, sondern als komische Figuren inszeniert, nimmt er der politischen Gegenwart ein Stück ihrer Schwere und erlaubt es, über jene Personen zu lachen, die sonst häufig Gegenstand von Frust und Ärger sind. Das ist sicherlich keine große Literatur, erfüllt aber seinen Zweck als leichte und unbeschwerte Unterhaltung durchaus erfolgreich.