Der Moment, der alles verändert

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ninetzk Avatar

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Der Roman ist leicht geschrieben und lässt sich in einem Zug durchlesen. Die Sprache ist klar und sehr nah an der Gedankenwelt eines Jugendlichen. Gerade am Anfang wird man förmlich in Neons Kopf hineingezogen. Seine Gedanken überschlagen sich, Fragen prasseln aufeinander, Unsicherheiten werden laut. Man liest und denkt zwischendurch: Wie kann man in so kurzer Zeit so viel denken? So viel reden? Der Stil erzeugt eine echte Nervosität, die sich beim Lesen bemerkbar macht, weil man so dicht an seinen Gedanken ist.
Die Zeitstruktur von 24 Sekunden, 24 Stunden, 24 Tage, 24 Wochen, 24 Monate davor ist kein wilder Zeitsprung, sondern ein bewusstes Zurückgehen.
Was besonders gelungen ist: Das Buch fängt die Unsicherheit, den Druck und die Erwartungen rund um das ‚erste Mal‘ ebenso authentisch ein wie Neons ehrliche Angst, alles richtig machen zu wollen. Es geht weniger um den Akt selbst, sondern um die Gefühle davor: die Nähe, die Verletzlichkeit, die Frage „Wird danach alles anders sein?“.
Als erwachsene Leserin wünscht man sich vielleicht, dass die „Sache an sich“ etwas ausführlicher beschrieben wird. Doch genau darin liegt vermutlich die Intention des Buches: Es geht nicht um Details, sondern um Emotionen. Um das Zittern davor. Um das Herzklopfen. Um die Bedeutung, die wir einem Moment geben, bevor er überhaupt passiert.
Für Teenager, egal ob Mädchen oder Jungen, die ihr erstes Mal noch vor sich haben, ist dieses Buch eine wertvolle, einfühlsame Lektüre. Es nimmt ihre Nervosität ernst, romantisiert nicht übertrieben, sondern zeigt, dass Unsicherheit dazugehört. Dass Gedankenkarusselle normal sind. Und dass Nähe vor allem mit Vertrauen zu tun hat.
24 Sekunden ab jetzt ist ein intensiver Einblick in einen jugendlichen Kopf und genau deshalb so berührend.