Einfühlsam und humorvoll

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coucou Avatar

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Einfühlsam und humorvoll

Mit meinen Söhnen habe ich bereits Ghost von Jason Reynolds mit großer Begeisterung gelesen – und auch mit 24 Sekunden ab jetzt beweist der Autor erneut sein besonderes Gespür für jugendliche Lebenswelten. Literatur mit „black“ Hauptfiguren ist zum Glück längst keine Ausnahme mehr. Doch die Welten, die Reynolds erschafft, fühlen sich besonders authentisch an: nichts wirkt gekünstelt, kein moralischer Zeigefinger wird erhoben. Stattdessen erzählt er mit viel Humor, Feingefühl und einem klaren Blick für die inneren Konflikte seiner Figuren.
Im Zentrum steht eine zarte Liebesgeschichte, die warmherzig und klug geschrieben ist. Das Thema Intimität wird sensibel und zugleich angenehm unverkrampft behandelt – so, dass es für jugendliche Leserinnen und Leser zugänglich und nachvollziehbar bleibt.
Besonders beeindruckend ist wieder einmal Reynolds’ präzise, schnelle Sprache, die nah an der Lebensrealität Jugendlicher bleibt und dennoch literarisch überzeugt.

Nicht ganz überzeugt hat mich allerdings die zeitlich rückwärts konstruierte Erzählweise. Die Idee wirkte auf mich stellenweise etwas bemüht und hat den Lesefluss eher gebremst als bereichert. Auch die Szene im Diner, in der die Mutter des Protagonisten mit ihm ein Aufklärungsgespräch führt, empfand ich als etwas konstruiert – hier schien kurz der pädagogische Anspruch stärker durch.

Trotz dieser kleinen Kritikpunkte bleibt 24 Sekunden ab jetzt eine einfühlsame und zugleich humorvolle Geschichte über erste Liebe, Nähe und das Erwachsenwerden. Vielleicht sollte Jason Reynolds nun auch einmal gezielt für Erwachsene schreiben. Sein Talent, komplexe Gefühle mit Wärme zu erzählen, würde sicherlich auch dort viele Leserinnen und Leser begeistern.