Scharf, witzig und herrlich bissig

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desideria1980 Avatar

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Schon der Prolog hat mich gepackt. Düster, intensiv und mit einer Szene, die sofort Spannung erzeugt. Man ist mitten im Geschehen und spürt, dass hier etwas aus dem Ruder läuft. Dieser Einstieg funktioniert richtig gut, weil er nicht überzogen wirkt, sondern unangenehm nah dran ist.

Was mich danach allerdings wirklich überzeugt hat, ist der Ton. Die Figur Hannah ist herrlich scharfzüngig, selbstironisch und gleichzeitig ziemlich verletzlich. Ihre Interviewsituation im Fernsehen ist gleichzeitig zum Fremdschämen und zum Lachen, und dabei steckt viel Wahrheit darin. Dieses Spiel zwischen Krimi-Erfolg, literarischem Anspruch und öffentlicher Erwartung ist klug beobachtet und sehr unterhaltsam geschrieben.

Auch der Wechsel nach Sizilien gefällt mir. Die Beschreibungen wirken lebendig, ohne kitschig zu sein. Man spürt die Hitze, das Licht, die Landschaft und gleichzeitig bleibt dieses leichte Unbehagen im Hintergrund. Der Moment mit dem Gärtner zum Beispiel kippt ganz kurz ins Bedrohliche, bevor es sich wieder auflöst. Genau solche Szenen machen neugierig.

Der Schreibstil ist direkt, pointiert und stellenweise richtig bissig. Gleichzeitig gibt es leise, nachdenkliche Momente, besonders in Hannahs Gedankenwelt. Diese Mischung aus Krimi, Humor und Selbstreflexion macht die Leseprobe für mich besonders.

Für mich ein sehr starker Einstieg, der Lust auf mehr macht. Ich würde definitiv weiterlesen.