Betrunkene Narzisstin "ermittelt"

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libby196 Avatar

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Das war leider nicht mein Buch. Es ist der zweite Teil einer Reihe, den ersten habe ich nicht gelesen – wenn die Hauptprotagonistin Hannah im ersten Band auch so unsympathisch war, hätte ich den zweiten jedenfalls nicht mehr gelesen.
Es soll ein Krimi sein, aber so, wie geschrieben wird, konnte ich die Erzählung irgendwie nicht ernst nehmen. Vielleicht lag es auch (zum Teil?) an der Übersetzung, dass eine Art humorvolle Ebene hineingebracht werden sollte, die (zumindest für mich) auf Deutsch einfach nicht funktioniert hat.
Hannah Krause-Bendix, eine erfolgreiche dänische Krimi-Autorin, die aber viel lieber tiefgründige Romane schreiben würde, wird von ihrem Lektor nach Sizilien verfrachtet, um dort in einer Villa (in der sie kostenlos leben darf, sie kommt aber tagelang nicht auf die Idee, mal zu fragen, wem die eigentlich gehört) endlich ihren versprochenen zweiten Krimi zu schreiben. Der Beruf des Lektors wurde hier völlig falsch dargestellt (oder die Position falsch übersetzt), er agiert eher wie ein Manager.
Kurz nach ihrer Ankunft übernachtet sie zufällig bei einem älteren schwedischen Ehepaar und zufällig wird die Ehefrau just in dieser Nacht ermordet und Hannah ist plötzlich Verdächtige. Schon ihren ersten Krimi (Band 1 der Reihe) hat sie anscheinend geschrieben, weil sie zufällig selbst in einen Mordfall auf Island verwickelt wurde.
Ich habe das Buch durchgelesen, weil ich es als Rezensionsexemplar bekommen habe. Es las sich aber eher zäh, alle Ereignisse wirken irgendwie zu zufällig, plötzlich taucht auch noch Hannahs isländische Geliebte samt noch-Ehemann und Kindern in Sizilien auf … und das Ende war völlig over the top. Hannah versucht, zu ermitteln, da der Ehemann es ja nicht gewesen sein kann (weil er so nette Augen hatte, WTF? Sie kannte den Typen einen Abend lang), die Polizei ist natürlich inkompetent, Männer mit viel Brusthaar, irgendwie ist die Mafia involviert … es ergab einfach kein stimmiges Gesamtbild.
Mir war Hannah außerdem sehr unsympathisch. Sie ist egozentrisch, so ziemlich allen Menschen gegenüber herablassend, hält sich für etwas Besseres, während sie gleichzeitig selbstmitleidig jammert, weil das niemand erkennt, und hat ein starkes Alkoholproblem, was viel zu leichtfertig beschrieben wurde. Sie trinkt täglich und auch sehr viel. Ständig ist sie betrunken und/oder verkatert und torkelt herum. Viele ihrer Gedanken drehen sich darum, wann sie sich den nächsten Drink mixen kann. Und wenn sie mal Wasser trinkt, immer verbunden mit dem Adjektiv „gierig“, das war irgendwann richtig unangenehm zu lesen.
Irgendwann war es einfach nur noch nervig, dass Personen oft nicht mit Namen benannt wurden, sondern „die Kinderpolizistin“, „die Sandalenpolizistin“, „der Pizzanamenpolizist“ – was soll das? Oder auch „die Beamtengeliebte“, was in der Übersetzung gar keinen Sinn ergibt, weil es sich dann um die Geliebte eines Beamten handeln würde, nicht andersherum. Eine Protagonistin (Lucette) wird bis zum Ende ständig nur „Haushaltshilfe“ genannt, das las sich sehr degradierend.
Außerdem waren wirklich zu viele Rechtschreibfehler enthalten, hier sollte nochmal Korrektur gelesen (und einiges von den komischen Formulierungen anders übersetzt) werden.