60 Kilo Island - ein Lesemarathon

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60 Kilo Island - ein Lesemarathon
Erfreut habe ich entdeckt, dass ich Gestur, den Protagonisten meines Lesehöhepunktes 2022 (60 Kilo Sonnenschein) weiter begleiten kann. Cover und Titel spielen auf den ersten Band an. Der Titel verwundert, wird in den Szenen und Bildern der ersten Teil klarer.
Die Entwicklungsgeschichte des Heranwachsenden mit drastischer erwachender Sexualität und Manneskraft, die sich in Raufereien entlädt, auch mit bildhafter Sprachkraft, hat mit im ersten Teil des Buches angestrengt. Erst als der geschichtliche und soziale Kontext die Handlung vorantrieben, hat mich das Buch dann gefesselt und ich bin im schnellen Lesetempo mit Verweilen in besonderer Bildsprache durch den letzten Abschnitt gedrungen.

Entlang dieses Entwicklungsromanes des jungen Gestur wird aber auch exemplarisch die Wandlung Islands beim Eintritt in das 20. Jahrhundert dargestellt - von dem dörflichen Strukturen in Grasoden die Kleinstadt mit Holzhäusern und Straßen bis zur Industrialisierung mit Fabriken, Elektrizität, Telefon. Der kulturellen Öffnung im skandinavischem Raum folgt die Splendid Isolation während des ersten Weltkrieges, der dem Heringsdorf wirtschaftliche Chancen bietet.
Immer wieder bringen Gedichte des alten Lasi neue Farbe in die historischen Ereignisse und erden sie an der alten isländischen Kultur.
Alle Figuren wirken authentisch und vielfarbig, nie klischeehaft oder schwarz weiß, sie erleben in der Dekade der Erzählung oft erstaunliche Veränderungen, die sozialen Fäden werden ständig neu geknüpft.

Der Schluss ist gleichzeitg ein Ausblick - mit einem Brief aus Amerika -
Na wenn sich da auf den letzten Seiten nicht weitere 60 Kilo Gestur-Abenteuer ankündigen?!