Eine ungewöhnliche Heldin

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elchi Avatar

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„A Dance of Lies: Die Spionin“ von Brittney Arena ist ein Romantasy-Roman voller Intrigen, Machtspiele und emotionaler Entscheidungen. Schon der Klappentext hat mich ehrlich gesagt unglaublich neugierig auf die Geschichte gemacht – vor allem die Kombination aus Tänzerin und Spionin hat mich sofort angesprochen. Da ich Tanzen absolut liebe, war ich umso neugieriger, wie dieses Element in die Geschichte eingebunden wird. Und ich kann schon mal sagen: Tatsächlich spielt es eine viel größere Rolle, als man vielleicht zuerst denkt.

Die Geschichte dreht sich um Vasalie, die früher als Tänzerin am Hof von König Illian gearbeitet hat. Doch ihr Leben wurde brutal zerstört, als sie zu Unrecht eines Mordes beschuldigt und zwei Jahre lang in einem Kerker eingesperrt wurde. Als sie schließlich wieder vor den König gerufen wird, denkt man vielleicht kurz, jetzt kommt Gnade ins Spiel – aber nein, ganz und gar nicht. Illian macht ihr ein Angebot, das eigentlich keines ist: Wenn sie für ihn spioniert und eine Versammlung der Königreiche infiltriert, bekommt sie ihre Freiheit zurück. Damit beginnt für Vasalie ein gefährliches Spiel aus Lügen, Intrigen und Loyalitäten. Gleichzeitig gerät sie zwischen zwei Brüder – Illian, der Mann, der ihr Leben zerstört hat, und Anton, sein charmanter, geheimnisvoller Rivale.

Vasalie als Hauptfigur mochte ich tatsächlich sehr. Sie wirkt am Anfang sehr zerbrechlich. Ihr Körper ist durch die Zeit im Kerker dauerhaft gezeichnet, sie lebt mit Schmerzen und merkt immer wieder, dass sie nicht mehr die Tänzerin von früher ist. Und genau das macht sie für mich so greifbar und ist einfach unglaublich gut umgesetzt. Sie ist keine perfekte Heldin, sondern eine Frau, die kämpft, zweifelt und auch Fehler macht. Ihre Entwicklung im Laufe der Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Sie findet Schritt für Schritt zu neuer Stärke, ohne dass es unrealistisch wirkt. Man spürt, wie sehr sie lernen muss, sich selbst wieder zu vertrauen.

Und dann haben wir da natürlich die Männer in dieser Geschichte. Allen voran König Illian. Tja… ich versuche es mal diplomatisch zu formulieren: Ich mochte ihn nicht. Wirklich nicht. Schon ziemlich früh hatte ich bei ihm ein richtig ungutes Gefühl, und das hat sich im Laufe der Geschichte auch nicht wirklich verbessert. Ganz anders wirkt dagegen sein Bruder Anton, der König des Ostens. Er gibt sich zunächst wie ein charmanter Frauenheld, jemand, der alles ein bisschen auf die leichte Schulter nimmt. Aber je mehr man über ihn erfährt, desto mehr merkt man, dass hinter dieser Fassade deutlich mehr steckt. Ob man ihm trauen kann? Gute Frage. Ich war mir lange nicht sicher.

Und als wäre das nicht schon kompliziert genug, gibt es auch noch andere Figuren, die Vasalies Weg kreuzen. Besonders ihr Tanzpartner Copelan spielt eine Rolle. Durch die vielen Proben und Auftritte kommen sich die beiden näher – und plötzlich merkt man, dass hier emotional einiges durcheinandergerät. Und ja, das sorgt natürlich auch für ein bisschen Herzchaos. Wobei ich sagen muss: Wer ein klassisches, sehr starkes Love Triangle erwartet, sollte vielleicht die Erwartungen ein kleines bisschen runterdrehen. Die Beziehungen entwickeln sich eher langsam und leise.

Was mir an der Geschichte sehr gefallen hat, ist dieses Netz aus Intrigen. Man hat ständig das Gefühl, dass hinter jeder Person noch irgendein Geheimnis lauert. Und jedes Mal, wenn man denkt: Okay, jetzt habe ich verstanden, wie alles zusammenhängt – kommt wieder eine neue Information um die Ecke. Ich mag sowas ja total. Dieses Gefühl, dass man nie ganz sicher sein kann, wem man vertrauen darf.

Der Schreibstil von Brittney Arena hat mir ebenfalls gut gefallen. Er liest sich angenehm flüssig und ist stellenweise wirklich sehr bildhaft. Besonders die Tanzszenen haben es mir angetan. Ich konnte mir die Bewegungen, die Musik und die Atmosphäre im Saal lebhaft vorstellen. Die Autorin schafft es, mit wenigen Worten starke Bilder entstehen zu lassen – von prächtigen Sälen über aufwendige Kostüme bis hin zu den angespannten Momenten zwischen den Figuren. Auch emotional hat mich das Buch oft mitgenommen. Es gibt Szenen voller Hoffnung, aber auch Momente, die schmerzhaft oder erschütternd sind.

Erzählt wird die Geschichte aus Vasalies Perspektive, wodurch man ihre Gedanken, ihre Ängste und ihre Hoffnungen sehr direkt miterlebt. Ich fand das sehr gelungen, weil ich mich so umso leichter in ihre Situation hineinversetzen konnte. Gleichzeitig sorgt diese Perspektive auch dafür, dass vieles im Verborgenen bleibt – genau wie für Vasalie selbst. Man weiß also als Leser*in oft genauso wenig wie sie.

Das Tempo der Geschichte ist insgesamt gut aufgebaut. Am Anfang wird man schnell in die Welt und die Situation der Protagonistin hineingezogen. Im Mittelteil nimmt sich die Handlung etwas mehr Zeit für Intrigen, Beziehungen und Entwicklungen der Figuren. Gegen Ende zieht die Spannung dann deutlich an, und mehrere überraschende Enthüllungen sorgen für ein intensives Finale. Besonders die letzten Kapitel haben mich wirklich gefesselt.

Die Handlung lebt stark von politischen Intrigen und versteckten Plänen. Die Autorin streut immer wieder kleine Hinweise ein, sodass man als Leser ständig versucht, das große Bild zu erkennen. Viele Zusammenhänge werden erst gegen Ende richtig klar, was die Geschichte bis zuletzt spannend hält. Einige Wendungen haben mich tatsächlich überrascht, weil sie so geschickt vorbereitet waren und ich sie nicht habe kommen sehen.

Fazit:

„A Dance of Lies: Die Spionin“ von Brittney Arena ist ein intensives, atmosphärisches und sehr spannendes Romantasy-Debüt. Die Geschichte verbindet politische Intrigen, emotionale Konflikte und eine ungewöhnliche Heldin, die trotz aller Wunden ihren eigenen Weg sucht. Für mich war es ein Buch voller Spannung, überraschender Wendungen und eindrucksvoller Bilder und ich bin sehr gespannt, wie es in Band zwei weitergehen wird.