Bitterböse, hochmütig und erstaunlich unterhaltsam
Mein Urteil: Rein nach dieser Leseprobe zu urteilen – ja, das würde ich weiterlesen wollen, und sei es nur wegen dieser herrlich anstrengenden Hauptfigur!
Connie ist auf den ersten Blick eine absolute Zumutung: Mit ihren gerade mal achtzehn Jahren führt sie sich auf wie eine verhärmte Sechzigjährige, hält alle Gleichaltrigen für infantile Kleinkinder und blickt mit einer Arroganz auf die Welt herab, bei der man ihr eigentlich nach zwei Seiten die Leviten lesen möchte. Sie will krampfhaft elitär und erwachsen sein, flieht vor Schaumpartys und Kneipentouren lieber in die Kurslektüre und beginnt den Tag ausgerechnet mit Allen Ginsberg, nur um innerlich darüber zu dozieren, warum sie niemals mit ihm schlafen würde.
Aber genau dieser zynische Schutzpanzer macht den Text so verflixt gut beobachtet. Unter dieser überheblichen Fassade blitzt nämlich in jeder Zeile die blanke Panik vor dem Alleinsein, vor Ablehnung und vor der eigenen Unzulänglichkeit durch – wie der alte Bleistift-Kritzel „Freak“ an der Zimmerwand, den sie vor dem Auszug schnell noch mit Spucke wegrubbelt.
Der Zusammenprall in der Studenten-WG ist ein echtes Highlight: Da prallt Connies verkrampfte Ernsthaftigkeit auf die typische Ersti-Mischung aus plumpe Sprüche klopfenden Jungs, billigem Wodka und der dauerstrahlenden Charlotte, die mit Gitarre und Blümchenkleid genau den Typ Mädchen verkörpert, vor dem Connie die Krise kriegt. Wie Connie beim idiotischen Flaschendrehen völlig trocken behauptet, sie hätte ihr erstes Mal auf einem Klavier mit „Allen Ginsberg“ gehabt, hat mich laut auflachen lassen. Und dass Charlotte später in Connies Zimmer überraschend feinfühlig hinter die Fassade blickt und sogar Zeilen aus Ginsbergs Kaddish zitiert, bricht das Ganze wunderbar auf.
Der Roman fängt diese grausame, peinliche Übergangsphase zwischen Schulzeit und Unileben sprachlich messerscharf und ohne falschen Kitsch ein. Wenn das Buch dieses giftige, aber insgeheim verletzliche Niveau hält, steckt da eine verdammt starke Coming-of-Age-Geschichte drin.
Connie ist auf den ersten Blick eine absolute Zumutung: Mit ihren gerade mal achtzehn Jahren führt sie sich auf wie eine verhärmte Sechzigjährige, hält alle Gleichaltrigen für infantile Kleinkinder und blickt mit einer Arroganz auf die Welt herab, bei der man ihr eigentlich nach zwei Seiten die Leviten lesen möchte. Sie will krampfhaft elitär und erwachsen sein, flieht vor Schaumpartys und Kneipentouren lieber in die Kurslektüre und beginnt den Tag ausgerechnet mit Allen Ginsberg, nur um innerlich darüber zu dozieren, warum sie niemals mit ihm schlafen würde.
Aber genau dieser zynische Schutzpanzer macht den Text so verflixt gut beobachtet. Unter dieser überheblichen Fassade blitzt nämlich in jeder Zeile die blanke Panik vor dem Alleinsein, vor Ablehnung und vor der eigenen Unzulänglichkeit durch – wie der alte Bleistift-Kritzel „Freak“ an der Zimmerwand, den sie vor dem Auszug schnell noch mit Spucke wegrubbelt.
Der Zusammenprall in der Studenten-WG ist ein echtes Highlight: Da prallt Connies verkrampfte Ernsthaftigkeit auf die typische Ersti-Mischung aus plumpe Sprüche klopfenden Jungs, billigem Wodka und der dauerstrahlenden Charlotte, die mit Gitarre und Blümchenkleid genau den Typ Mädchen verkörpert, vor dem Connie die Krise kriegt. Wie Connie beim idiotischen Flaschendrehen völlig trocken behauptet, sie hätte ihr erstes Mal auf einem Klavier mit „Allen Ginsberg“ gehabt, hat mich laut auflachen lassen. Und dass Charlotte später in Connies Zimmer überraschend feinfühlig hinter die Fassade blickt und sogar Zeilen aus Ginsbergs Kaddish zitiert, bricht das Ganze wunderbar auf.
Der Roman fängt diese grausame, peinliche Übergangsphase zwischen Schulzeit und Unileben sprachlich messerscharf und ohne falschen Kitsch ein. Wenn das Buch dieses giftige, aber insgeheim verletzliche Niveau hält, steckt da eine verdammt starke Coming-of-Age-Geschichte drin.