Italienische Miss Marple ermittelt mit Herz und Hirn

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
bookworm53 Avatar

Von

„Abfahrt ins Jenseits“ von Salvatore Simonetti (Pseudonym von Simon Sahner) ist der erste Krimi der „Mamma Marcella ermittelt“-Reihe, einer Cosy-Krimi-Serie mit stimmigem Italienischen Flair.

Bereits das Cover des 2026 erschienenen Buches vermittelt Urlaubsfeeling pur. Sandstrand und Meer. Das Ganze umrahmt von einem rot-grün-weißen Farbschnitt, der italienischen Flagge nachempfunden. Das Buch ist eindeutig ansprechend gestaltet.

Der Schreibstil ist locker, humorvoll, manchmal vielleicht etwas zu detailliert. Andererseits macht gerade das Lokalkolorit irgendwie auch den Reiz des Romans aus. Die Schönheit der Landschaft wird so verlockend und bildlich beschrieben, dass man (kennt man die Gegend nicht) animiert wird, sich Fotos im Internet anzusehen. So wie Marcellas Alltag verläuft, der Kontakt zu ihren Mitmenschen, spürt man das italienische Lebensgefühl, das Dolce Vita. Nicht zuletzt sind es Marcellas Kochkünste, die die Sehnsucht nach einem Italienurlaub oder wenigstens nach einem baldigen Besuch beim Lieblingsitaliener wecken. Unterstrichen wird die italienische Atmosphäre auch durch zahlreiche italienische Phrasen und Ausdrücke, stets sinngemäß gut verständlich.

Im Mittelpunkt der Handlung steht die ca. 60-jährige Marcella, eine temperamentvolle Italienerin, die nach vielen in Deutschland verbrachten Jahren mit ihrem Sohn Domenico wieder in ihr Heimatdorf Dolceacqua zurückgekehrt war. Sie geht mit offenen Augen durch die Welt und nimmt Anteil an den Geschehnissen im Ort. So fällt ihr auch auf, dass in letzter Zeit viele Menschen in ihrem Alter plötzlich verstorben sind, die bis vor kurzem noch gesund und munter waren. Doch nicht nur diese Sonderheit gibt ihr zu denken, sondern auch die neue Freundin ihres Sohnes kommt ihr seltsam vor. Was findet diese reiche, herausgeputzte junge Frau, eine Influenzerin, an ihrem Sohn? Domenico ist immerhin Maresciallo bei den Carbinieri. Soll sie ihn von irgendwelchen Machenschaften ablenken?

Marcella beginnt Fragen zu stellen, bei den Hinterbliebenen, geht Gerüchten nach, und ihr Verdacht verdichtet sich, dass es bei den Todesfällen nicht mit rechten Dingen zugeht. Auch Rosina, Domenicos Freundin, erscheint ihr zunehmend suspekter. Bei ihren Recherchen helfen ihr Harry, ihr Untermieter, und die beiden Cafeteria-Betreiber Dino und Gino, doch letztlich löst sie den Fall quasi im Alleingang, was sie letztlich in eine ziemlich prekäre Situation bringt.

Der Roman war sehr unterhaltsam, die Figuren durchwegs originell und sympathisch, das italienische Ambiente stimmungsvoll und durch unerwartete Wendungen und Spannungsmomente war auch der Krimifaktor erfüllt. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung!

Leseempfehlung für diejenigen, die Urlaubsflair und ruhige, unterhaltsame Krimis mögen.