Mamma Mia, Mamma Marcella!

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Worum geht’s?
Dolceacqua ist ein malerisches kleines Dorf, in dem die Sonne scheint, das Leben gemütlich vor sich hinplätschert und Mamma Marcella zu Hause ist. Doch plötzlich ziehen dunkle Wolken über dem italienischen Idyll auf: Immer mehr Menschen sterben völlig unerwartet mit knapp über 60 Jahren. Zufall? Von wegen! Zumindest wenn es nach Mamma Marcella geht. Für sie ist klar: Hier stimmt etwas ganz gewaltig nicht. Dumm nur, dass ihr Sohn Domenico, seines Zeichens Maresciallo, von ihren Mordtheorien herzlich wenig hält. Aber wann hätte sich eine italienische Mamma jemals davon abhalten lassen, sich in die Angelegenheiten ihres Sohnes einzumischen?

Meine Meinung:
Mit „Abfahrt ins Jenseits“ startet Salvatore Simonetti seine Krimireihe rund um Mamma Marcella – und was soll ich sagen: Dieser Auftakt macht einfach Spaß! Cosy Crime im malerischen, sonnigen Italien, jede Menge italienische Einschübe, ein bisschen Schwaben und vor allem herrlich schrullige Charaktere. Eine Mischung, die erstaunlich gut funktioniert.

Allen voran natürlich Mamma Marcella. Eine italienische Mamma wie aus dem Bilderbuch: robust, direkt, garantiert nicht auf den Mund gefallen und mit allen Wassern gewaschen. Wenn Marcella sich etwas in den Kopf gesetzt hat, kann ihr eigentlich nur noch der Rest der Welt aus dem Weg gehen.

Und dann wäre da ihr Mieter Harry, ein zugewanderter Deutscher, Künstler und gewissen illegalen Substanzen nicht ganz abgeneigt. Dino und Gino, das sympathische Paar, das von Marcella das Café Monet gemietet hat. Ihr Sohn Domenico, der als Polizist eigentlich für die Ermittlungen zuständig wäre. Eigentlich. Denn er hat die Rechnung ohne seine Mutter gemacht. Dazu kommt Paolo, der aussieht, als würde er eher einer Motorradgang als zu Marcellas Freundeskreis gehören, dabei aber ein echtes gutes Herz besitzt. Und schließlich die Seniorin Joan, bei der ich ziemlich sicher bin, dass wir noch längst nicht alles wissen. Was steckt wohl hinter dieser Frau?

Ein herrlich bunter Haufen, der die Geschichte trägt und dafür sorgt, dass man sich in Dolceacqua ziemlich schnell heimisch fühlt.

Und natürlich gibt es da noch den Fall, in dem Marcella auf ihre ganz eigene Art ermittelt. Gemeinsam mit ihr und ihrem, sagen wir mal, sehr temperamentvollen italienischen Fahrstil kommen wir dabei ordentlich herum. Es wird geschnüffelt, kombiniert und nachgeforscht. Und mal ganz im Ernst: Wer kommt bitte auf die Idee, einem Toten freiwillig Blut abzunehmen?! Dreimal dürft ihr raten! Dabei bleibt es wunderbar cosy und gemütlich, ohne dass die eigentliche Krimihandlung zur Nebensache wird. Wir bekommen italienische Kultur und Küche, lernen die besondere Beziehung italienischer Mammas zu ihren Söhnen kennen und stolpern ganz nebenbei über Mafia, Spielsucht und Erpressung. Dazu kommen Freundschaft, Zusammenhalt und jede Menge italienisches Lebensgefühl.

Das Buch liest sich wunderbar kurzweilig und entführt einen zum Ende des Sommers noch einmal mitten hinein ins beschauliche Italien. Sonne im Gesicht, Espresso auf dem Tisch – und irgendwo liegt vermutlich schon wieder eine Leiche herum. Tja, man kann offenbar nicht alles haben. Trotz aller Cosyness wird es zwischendurch richtig spannend. Es gibt Verfolgungsjagden, brenzlige Situationen und schließlich einen fulminanten finalen Showdown, bei dem mit der italienischen Gemütlichkeit endgültig Schluss ist. Und das Ende? Das macht vor allem eines: Lust auf mehr. Mehr Italien. Mehr Sonne. Mehr Verbrechen. Mehr von diesem herrlich schrägen Haufen.

Und vor allem: Mehr Mamma Marcella!

Fazit:
„Abfahrt ins Jenseits“ von Salvatore Simonetti ist für mich genau die richtige Mischung aus Cosy Crime, italienischem Lebensgefühl und einem Kriminalfall, der trotz aller Leichtigkeit ordentlich Spannung mitbringt. Mamma Marcella ist dabei das herrlich temperamentvolle Herz der Geschichte – direkt, eigensinnig, neugierig und garantiert nicht davon abzuhalten, ihre Nase genau dorthin zu stecken, wo sie eigentlich nichts verloren hat.

Ein wunderbar kurzweiliger Reihenauftakt voller Sonne, Charme, schräger Charaktere und Verbrechen, bei dem ich mich in Dolceacqua sofort wohlgefühlt habe. Ich jedenfalls wäre bereit für die nächste Abfahrt – solange Mamma Marcella wieder mit am Steuer sitzt.

5 sonnig-kriminelle Sterne von mir.