Die Götter haben es anders geplant
„Aftermyth – Penelope und die Prüfung der Götter“ ist ein faszinierendes Fantasy-Abenteuer für Jugendliche ab 12 Jahren. Das Buch mit satten 448 Seiten wurde von der US-amerikanischen Autorin Tracy Wolff geschrieben, die vornehmlich Jugendliteratur verfasst und einen hohen Bekanntheitsgrad durch die Serie „Crave“ erlangte. In diesem beim dtv herausgegebenen Roman geht es um die 13-jährige Penelope Weaver, die mit ihrem Zwillingsbruder Paris zum Anaximander-Internat gebracht wird. Dort war auch bereits ihre gesamte Familie, und alle waren im Haus der Athena. Umso entsetzter ist Penelope, dass sie dem Haus der Aphrodite zugeteilt wird, wo es chaotisch, laut und undiszipliniert zugeht. Das passt doch überhaupt nicht zu ihr. Sie ist pragmatisch, diszipliniert, organisiert, wissbegierig, klug und ehrgeizig, und macht fast nie einen Fehler - und das sind doch die Attribute für das Athena-Haus! Daher setzt Penelope, die auch „Ellie“ von den Mitschülern genannt wird, alles daran, sich doch noch einen Platz im Haus Athena zu erkämpfen. Denn sie ist auch noch stur, das hat sie von ihrem Vater geerbt. Aber die Götter scheinen anderes vorzuhaben mit Penelope. Unheimliche Vorkommnisse begleiten nun die junge Protagonistin auf ihrem Weg. Sie möchte unbedingt die Pandora-Challenge gewinnen. Dabei begegnet sie Unmengen von Schlangen, die sie bedrohen, Brücken, die nie enden wollen, wenn sie sie überquert, sie bemerkt Erdbeben, die andere nicht verspüren, die Götter scheinen ihr immer wieder Zeichen zu geben. Die ihr zugeteilten Helden-Aufgaben scheinen schier unlösbar, aber glücklicherweise gibt es da Fifi, die zu ihrer besten Freundin wird. Und in Penelope scheint sich ein Wandel zu vollziehen bis sie zum Schluss sogar feststellt, dass das Haus Aphrodite und die wunderbaren Freunde viel besser zu ihr passen als das recht seelen- und freudlose Haus Athena. Mir hat das Buch sehr gut gefallen, bis auf kurze Anlaufschwierigkeiten zu Beginn war es durchweg spannend geschrieben. Die Verknüpfung mit der griechischen Mythologie fand ich ausgefallen und besonders. Allerdings hätte ich mir ein Register im Buch gewünscht, das die im Buch genannten Götter und Wesen noch einmal separat auflistet und ihre Bedeutungen erklärt. So stelle ich es mir sehr schwierig für einen Jugendlichen ohne Vorwissen vor, da den Durchblick zu behalten. Witzig fand ich die Vermischung von mystischer Welt mit so weltlichen Dingen wie Handys, Spielekonsolen, Disco, Süßigkeiten-Raum mit Gummibärchen-Tapeten. Da merkte man gut, dass die Autorin selber Kinder hat und weiß, wie Jugendliche in dem Alter so ticken und kommunizieren. Rein optisch ist das Buch von Tracy Wolff ein absolutes Schmuckstück für jeden Bücherschrank. Die gesamte Aufmachung wirkt hochwertig und edel, besonders durch den wunderschönen Farbschnitt wird die mystische Atmosphäre noch einmal mehr unterstrichen. Auf dem Cover prangt die magische Truhe der Pandora, farblich in Lila mit funkelndem Gold ausgeschmückt und von züngelnden Schlangen bewacht. Auch der Innenteil wurde mit viel Liebe und Akribie gestaltet. Das Buch teilt sich in insgesamt 57 Kapitel auf, jedes trägt eine lustige Überschrift, die Kapitelnummer wird jeweils in einem Apfel präsentiert. Die Pagina wird jeweils noch von zwei Federn flankiert. Es ist insgesamt ein richtig schönes und auch spannendes Buch für Jugendliche, das mich thematisch an die Harry-Potter-Serie erinnert. Ich tendiere zu der Einschätzung, dass es eher bei Mädchen gut ankommt. Es soll wohl auch ein Folgeband in Planung sein. Darauf freue ich mich bereits!