Sophie lässt grüßen

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Wo die letzte Generation mit Sophies Welt aufgewachsen ist, macht sich dieses Buch auf, die aktuell Aufwachsenden abzuholen. So ist unsere Protagonistin, Alice, deutlich bissiger und von Ängsten über KI-Herrschaft bis Naturweltuntergang geplagt. Das wirkt nicht von ungefähr realitätsnah, so richtet sich der Autor doch entschieden direkt an seine Enkelin. Das mag dann auch den ansonsten etwas ulkigen Einfall ins Wunderland - Pardon - Land der Ideen entschuldigen. Der Cameoauftritt von Sophie hingegen ist aufrichtig, gerade im Hinblick auf den thematisieren Fortbestand der Ideen.

Entsprechend progressiv fand ich es, die Ideen als solche und ihre Entwicklung über die Zeitalter in den Fokus zu rücken. Tatsächlich hätte ich mir dies noch konsequenter gewünscht als dies nur mit Querverweisen zu realisieren. Dadurch treten die Philosophen und Philosophinnen natürlich etwas in den Hintergrund: Ein Treffen liegt bei durchschnittlich 3 Seiten, hinzu kommen jedoch auch Nachbesprechung, Vorgeplänkel und eine Zusammenfassung. Trotz dieser sinnvollen Wiederholung und Kontextualisierung, kann jedoch der Eindruck entstehen, das die Philosophen an einem vorbei blitzen. So reicht es meist nur für die Kernthese, bis und ein typischer Weise abrupter Szenenwechsel weiter katapultiert. Dafür wird diese in der Regel wirklich klar herausgearbeitet.

Für ein Grundlagenwerk für Jugendliche verständlich, arbeiten wir uns zunächst an den Griechen und Römern ab. Dann weitet sich zwar der Horizont, doch verbleiben wir gut die Hälfte des Buches in der Antike. Dieser Teil ist gut gelungen, trotzdem entsteht so ein Ungleichgewicht zu den nachfolgenden Zeitaltern, die von etwas mehr Raum hätten profitieren können. So muss dann auch der Autor selbst am Ende zur Hilfe eilen, um noch zu einem versöhnlichen Abschluss zu kommen.

Besonders Lob verdient der Blick über den europäischen Tellerrand der Philosophie gern Osten. Und doch wird schnell klar, warum Autoren sich hier üblicher Weise zieren: Die Kluft einer Jahrtausende langen unabhängigen Entwicklung lässt sich nicht mal eben so überbrücken. Damit stehen diese fremdartigen Ideen vorrangig für sich, ohne bleibende Spuren in Alices Reise zu hinterlassen.

Etwas wild erschien mir jedoch die zusammengewürfelte Truppe, mit der Alice durch Raum und Zeit tingelt: Zwei Schutzengel in Mäusegestalt, ein Känguru als wandelnde Enzyklopädie (bei dem ich ständig Das Känguru vor Augen hatte) und eine Fee auf Hochdampf. Davon abgesehen sollte man nur nicht die Antwort auf alle Fragen erwarten, besser noch nicht mal auf die eine. Schließlich ist es immer noch ein Philosophiebuch.

Über den Rahmen lässt sich wohl streiten und auch die geschichtliche Einbettung stellt kein tragendes Element dar. Doch in seiner Kombination aus Aktualität und Prägnanz, wenn es um philosophische Zusammenhänge geht, stellt es einen würdigen Nachfolger der weißen Königin für neue Generationen dar. Und wie der Autor selbst hervorhebt, soll dies nur der Startpunkt für die weitere persönliche Reise sein.