Ein beklemmendes Geschwisterporträt

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Der Einstieg in Cora Wucherers Roman All die Farben, all das Licht zieht einen sofort in die hochexplosive Dynamik der Schwestern Martha und Juna. Aus zwei Perspektiven entfaltet sich ein berührendes Familiendrama in Untergiesing. Die Sprache der Autorin ist beeindruckend klar, schnörkellos und unaufgeregt, transportiert dabei aber eine enorme emotionale Tiefe. Sie fängt Marthas jugendliche Lebenswelt, die sich mit dem Ausweis ihrer älteren Schwester heimlich einen Kinojob erschwindelt, absolut authentisch ein. Dem gegenüber steht Junas obsessive Perspektive: Ihre Leidenschaft für das Aktzeichnen und die Schilderung ihrer schrittweisen Erblindung durch das Usher-Syndrom gehen unter die Haut. Nach diesem Beginn ist das Interesse, wie es weitergeht, riesig, da Dr. Aumüllers fatale Diagnose, dass Juna in einem halben Jahr kaum mehr sehen wird, wie ein dramatischer Wendepunkt hereinbricht. Das minimalistische Cover ist sehr ansprechend gestaltet und das verwendete Gemälde „Mirror“ passt metaphorisch hervorragend zur wechselseitigen Spiegelung der beiden ungleichen Schwestern.