Ein bitterer, aber faszinierender Schwesternkonflikt

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davina Avatar

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Der Beginn von „All die Farben, all das Licht“ fesselt ab der ersten Sekunde durch seine enorme Intensität. Der Einstieg wirft die Lesenden mitten in einen heftigen Konflikt zwischen den ungleichen Schwestern Martha und Juna. Dass das Buch mit dem schockierenden Gedanken „Juna hat ihre Krankheit verdient“ und körperlicher Gewalt beginnt, zieht sofort tief in die zerrüttete Familiendynamik hinein und erzeugt eine packende, fast bedrückende Grundspannung.
Die Sprache von Cora Wucherer ist direkt, ungeschönt und emotional unglaublich treffend. Aus Marthas jugendlicher Ich-Perspektive geschrieben, wirkt der Tonfall absolut authentisch. Die Autorin nutzt starke, einprägsame Bilder, wie den Vergleich von Marthas toxischen Gedanken mit einem verschimmelten Pfirsichjoghurt aus dem Kühlschrank, um die bittere Eifersucht und den inneren Schmerz der Protagonistin greifbar zu machen. Die Dialoge sind scharfkantig und spiegeln die angespannte Atmosphäre im gemeinsamen Zimmer perfekt wider. 
Nach dem Ende der Leseprobe ist mein Interesse definitiv geweckt. Martha hat heimlich die Identität ihrer älteren, seh- und hörbeeinträchtigten Schwester angenommen, um einen Job in einem kleinen Isar-Kino zu ergattern. Dieser mutige, aber riskante Betrug wirft sofort essenzielle Fragen auf. Ich möchte unbedingt erfahren, wie lange Marthas Scharade gutgeht, wann sie auffliegt und wie sich das ohnehin brüchige Verhältnis der Schwestern sowie die Beziehung zu ihrem distanzierten Vater weiterentwickeln wird. Ein hochemotionaler, vielversprechender Coming-of-Age-Auftakt.