Zwei Schwestern und ein Weg ins Licht
In München-Giesing teilen Juna, 17, eine kleine Welt mit ihrer jüngeren Schwester Martha, 13. Juna ist eine außergewöhnliche Malerin in der Blüte ihrer Fantasie, doch eine schicksalhafte Diagnose – Usher-Syndrom – wirft ihr Zukunftsvisionen ins Dunkel: Wenige Monate bleiben ihr, bevor ihr Sehvermögen schwindet. Ihr größter Traum, eine bedeutende Künstlerin wie Lotte Laserstein zu werden, flackert noch immer, während die Angst vor dem Verlust der Welt um sie herum lauter wird.
Martha kämpft im Schatten der brillanten Schwester darum, gesehen zu werden. Mit Junas Ausweis im Gepäck beginnt sie als Aushilfe im Kino zu arbeiten und entdeckt eine neue, unabhängige Seite an sich. Als Juna den Wunsch äußert, ihr Lieblingsgemälde von Laserstein in Malmö zu sehen, entfacht Martha eine heimliche Reise-Idee: Die beiden wagen sich hinaus, auf der Suche nach Kunst, Freiheit und dem Mut, sich dem Licht zu stellen.
Was als zartes Abenteuer beginnt, entwickelt sich zu einer kraftvollen Prüfung ihrer Zweisamkeit. Die Schwestern müssen lernen, ihre verletzlichen Träume zu schützen, während die Welt um sie herum größer und bedrohlicher wird. Die Geschichte erzählt behutsam von Sehnsucht, Mut, Schmerz und dem unstillbaren Hunger nach Leben – und davon, wie man gemeinsam aus Schatten ins Licht treten kann.
Der Text zeichnet feinfühlig das Innenleben beider Mädchen nach: Junas Perspektive auf Kunst, Verlustangst und den Drang, das Unmögliche zu greifen, trifft auf Marthas Sehnsucht nach Anerkennung und eigener Identität. Die Sprache wirkt durch Wortwahl und Rhythmus eindringlich klar, lässt Gefühle greifbar werden und lädt ein, die Welt durch die Augen zweier Schwestern zu sehen, die sich gegenseitig stärker machen, auch wenn sie getrennte Wege gehen. Die Frage bleibt, wie nah sie sich am Ende kommen oder wie stark ihre Unterschiede sie doch voneinander lösen