Berührend
All die Farben, all das Licht ist ein ungewöhnlicher Coming-of-Age-Roman, der von zwei Schwestern erzählt. Gleichzeitig geht es um Kunst, Krankheit, Identität und die Frage, wie man seinen Träumen treu bleiben kann, wenn einem der eigene Körper einen Strich durch die Rechnung macht.. Besonders interessant fand ich die Figur der Juna. Ihre Leidenschaft für die Malerei, ihre Bewunderung für die Künstlerin Lotte Laserstein und ihr Umgang mit dem fortschreitenden Usher-Syndrom bilden für mich das Zentrum des Romans - und ihrer Familie. Gerade die Vorstellung, als angehende Malerin nach und nach das Augenlicht zu verlieren, fand ich sehr berührend. Gleichzeitig gerät Marthas Geschichte dadurch etwas an den Rand, so wie es Martha auch als kleiner Schwester innerhalb der Familie ergeht. Die Kapitel wechseln zwischen den Perspektiven von Juna und Martha. Dadurch erhält man einen Einblick in ihre Gedanken- und Gefühlswelt und versteht nach und nach, warum die beiden so oft aneinander vorbeireden. Besonders gelungen fand ich, dass gegen Ende auch der Vater kurz zu Wort kommt. Die Atmosphäre des Romans ist ruhig und oft nachdenklich. Dabei ist der Schreibstil angenehm flüssig und unaufgeregt. All die Farben, all das Licht ist eine berührende Familiengeschichte über Schwesternschaft, das Erwachsenwerden und die Kraft der Kunst, der außerdem das Usher-Syndrom für ein breites Publikum verständlich macht!