Berührend und leise erzählt

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mimi81 Avatar

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All die Farben, all das Licht ist eine ruhige, emotionale Geschichte, die mich vor allem durch ihre Figuren und die Beziehung der beiden Schwestern berührt hat.

Juna träumt davon, Künstlerin zu werden und an einer Kunsthochschule zu studieren. Gleichzeitig muss sie mit der Diagnose leben, dass sie in naher Zukunft ihr Augenlicht verlieren wird. Ihre jüngere Schwester Martha steht oft im Schatten dieser Krankheit. Während sich vieles um Juna dreht, versucht Martha ihren eigenen Platz zu finden, übernimmt Verantwortung und muss häufig stärker sein, als es für ihr Alter eigentlich nötig wäre.

Erzählt wird die Geschichte abwechselnd aus der Sicht von Juna und Martha, gelegentlich kommt auch ihr Vater zu Wort. Gerade dieser Perspektivwechsel hat mir sehr gefallen, weil er die Gedanken, Sorgen und Hoffnungen aller Beteiligten greifbar macht. Dadurch konnte ich mich gut in die Figuren hineinversetzen und ihre Entscheidungen und Gefühle nachvollziehen – auch dann, wenn ich nicht immer alles genauso entschieden hätte wie sie.

Besonders berührt hat mich die Entwicklung der Beziehung zwischen den Schwestern. Zwischen Liebe, Frust, Eifersucht und Sorge entsteht nach und nach ein stilles, tiefes Verständnis füreinander. Diese Veränderung beschreibt Cora Wucherer sehr feinfühlig und glaubwürdig. Es sind vor allem die kleinen Momente und leisen Zwischentöne, die die Geschichte so besonders machen.

Auch die Einbindung der Malerin Lotte Laserstein hat mir gut gefallen. Sie verleiht dem Roman eine zusätzliche Ebene und macht Junas Leidenschaft für die Kunst greifbar. Dadurch wurde die Geschichte für mich noch bildlicher und lebendiger.

Die seltene Erkrankung, mit der Juna lebt, war mir vorher nicht bekannt. Umso spannender fand ich es, mehr darüber zu erfahren. Dabei wirkt der Roman nie belehrend, sondern zeigt einfühlsam, welche Auswirkungen eine solche Diagnose auf das Leben einer ganzen Familie haben kann.

Der Roman setzt weniger auf große Dramatik als auf die Entwicklung seiner Figuren und die leisen Momente zwischen ihnen – genau das hat für mich seinen besonderen Reiz ausgemacht.

Auch einige Tage nach dem Lesen musste ich noch an Juna und Martha denken – für mich immer ein Zeichen dafür, dass mich eine Geschichte wirklich erreicht hat. 4/5 Sterne