Bewegend, traurig und unfassbar schön

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Das Cover des Buches ‚All die Farben, all das Licht‘ ist schon wunderbar stimmig und ausdrucksstark gestaltet. Auch die Leseprobe hatte mir sehr gut gefallen. Nun kann ich sagen: der Roman von Cora Wucherer überzeugt auf ganzer Linie.

Zum Buch: Zwei Schwestern, die sich ein Zimmer teilen und nur drei Jahre Altersunterschied aufzuweisen haben, ist schon eine Herausforderung an sich. Doch Juna (17) und Martha (fast 14) haben noch mehr in ihrem Leben zu bewältigen. Nachdem die Mutter bei Marthas Geburt gestorben war, musste der Vater die kleine Familie allein durchbringen. Um dem Schmerz und der Trauer zu entkommen, flüchtet er sich seitdem in den Klinikalltag und verdrängt den Verlust durch unzählige Nachtschichten. Vor allem seit die beiden älter sind, scheint jeder in der Familie auf sich alleine gestellt zu sein. So wird vieles innerhalb der Familie totgeschwiegen und keiner redet wirklich mit dem Anderen.

Die entstandenen Spannungen zwischen Juna und Martha entladen sich immer wieder in kleineren und größeren Streitereien, bis die beiden schließlich kaum noch miteinander sprechen. Erschwerend kommt hinzu, dass die talentierte Juna an einer Kunstakademie studieren möchte, aufgrund ihrer Krankheit jedoch zunehmend ihr Augenlicht verliert. Sie fragt sich, ob sie mit ihrer Diagnose überhaupt an einer Kunstakademie angenommen wird und wie viel Zeit ihr noch bleibt, ihren Traum zu verwirklichen und Künstlerin zu werden.

Martha hingegen fühlt sich wenig talentiert und steht im Schatten ihrer schönen und begabten Schwester. Doch auch sie durchlebt eine neue Lebensphase: Zum ersten Mal verliebt sie sich und erkämpft sich durch ihren Ferienjob im Kino – den sie nur mithilfe des Ausweises ihrer Schwester Juna bekommt – ein Stück Unabhängigkeit und Freiheit.

Fazit: Zusammenfassend ist dieser Roman eine berührende und ans Herz gehende Geschichte, die noch lange nach dem Lesen nachwirkt. Mit seiner realistischen Handlung und der feinfühligen, unaufgeregten Sprache schafft es eine besondere Nähe zu den Figuren und ihren Erlebnissen. Gerade durch das Coming-of-Age-Thema könnte ich mir gut vorstellen, dass das Buch künftig sogar zur Schullektüre wird. Gleichzeitig spricht es aber nicht nur Jugendliche an, sondern bietet Leserinnen und Lesern jeden Alters eine bewegende Lektüre. Insgesamt ist es ein richtig gutes Buch, von dem man in Zukunft sicher noch einiges hören wird.