Das Etwas zwischen Schatten und Licht

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cazymonkey Avatar

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In letzter Zeit sind mir einige Bücher mit künstlerischen Inhalt in die Hände gefallen und ich hab sie alle sehr genossen! Hier war ich jedoch sehr auf die Beziehung der beiden Schwestern gespannt. Diese ist zumindest zu Beginn des Romans anders als erwartet, sehr entfremdet ("Galaxien weit entfernt") und erlebt im Laufe der Handlung eine wunderschöne Entwicklung, gleich den Protagonistinnen selbst.

Juna, die exzentrisch Künstlerin mit dem Usher-Syndrom, welches noch vor ihrem richtigen Erwachsenen-Sein und dem ihr stark gewünschten Durchbruch zur Erblindung führen wird, steht im Kontrast zur abenteuerlustigen, für ihr Alter sehr reifen 13-Jährigen Schwester Martha.
Abwechselnd wird die Geschichte mit den Eindrücken und Gedanken der beiden Schwestern dargestellt.
Dabei empfand ich, dass es der Autorin einmal mehr, einmal weniger gelang diese altersentsprechend darzustellen. Es war für mich ein Zwiespalt, denn die Gedanken von Juna als auch Martha bleiben für jemanden nicht in dieser Ausnahmesituation an der Grenze zu Plausibilität. Zunächst, weil wenige wissen, wie es sich mit dieser Erkankung lebt und zusätzlich der Verlust der Mutter beide Schwestern zwingt schnellst möglich selbstständig und erwachsen zu sein.
Juna bringt den Aspekt der Kunst in den Roman, indem sie Lotte Laserstein nacheifert und Fragen nach deren Ideen, deren Weltbild und deren Überlegungen zu ihren Kunstwerken stellt. Sie wirkte auf mich dabei erst sehr selbstsüchtig, verbittert und wütend, da sie ihr Schicksal mit Verdrängung und für sich bezwingen wollte.
Währenddessen spürt sie natürlich die drängenden Dunkelheit, die sich schleichend um sie hüllt, ihre Welt weiter verkleinert, dabei große Angst macht und sie schmerzlich wahrnehmen lässt, wie ihr großer Traum von Malerei zu zerplatzen droht. Erst als sie erkennt, wieviel Raum sie in aller Leben eigentlich einnimmt, das Wegstoßen der Menschen um sie rum bleiben lässt und mit Hilfe eines unerwarteten Fremden die Perspektive wechselt, offenbart sich ihr, dass es nicht nur hell und dunkel gibt, sondern ganz viel zwischen Schatten und Licht- "Komorebi".

"Wenn etwas Schlimmes passiert, hast du eine Menge Möglichkeiten, damit umzugehen."

Im Gegensatz dazu steht Martha, die für ihr Alter oft weiser ist als ihr wahrscheinlich gut tut, dabei große Rücksicht auf ihre Schwester nimmt, die Wut auf diese besser als so manch Erwachsener umleiten kann und wachsam ihre Umwelt beobachtet. Sie bringt in eine schwermütige Geschichte trotzdem eine jugendliche Leichtigkeit, humorvolle Abschnitte in Gesprächen mit ihrem skurrilen Freund Alex, erlebt die ersten romantischen Gefühle, stellt unverblümt laut Fragen, obwohl sie in ihrer Familie oft ungesehen bleibt und entdeckt auf ungewöhnlichen Wegen die ihr unbekannte, tote Mutter und eine neue Art der Zuneigung zu ihrer Schwester.
Als Martha in einen lebensbedrohlichen Zustand gerät, fällt endlich auch ihrem Vater die Ungleichheit in der Behandlung zwischen den Schwestern auf und sie erhalten das erste Mal in ihrem Leben eine für beide gesunde und ausgegliche Menge an Aufmerksamkeit.

Emotional hat mich das Buch ehrlicherweise nur wirklich auf den allerletzten Seiten erwischt, dort dafür unvermittelt, intensiv und wunderschön für den Abschluss!

"Ich bin Marthas Schwester", sage ich. Und trete ins Licht.

Fazit: Am Ende war der Roman ganz anders als erwartet und trotzdem genau richtig für sommerliche Lesemomente!