Geschwisterliebe

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bücherfreund54 Avatar

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Das Romandebüt von Cora Wucherer „All die Farben, all das Licht“ hat mich inhaltlich und sprachlich überzeugt.
Erzählt wird die Geschichte zweier Schwestern, die eine 17, die andere 13 Jahre alt. Sie leben seit der Trennung ihrer Eltern bei ihrem Vater in einer prekären Situation: Sie müssen sich ein Zimmer gemeinsam teilen. Juna, die ältere der beiden, leidet am Usher-Syndrom und wird wohl bald ihr Augenlicht völlig verlieren. Das ist für sie umso schlimmer, als ihr größter Wunsch ist, Malerin zu werden. Ihr großes Vorbild ist Lotte Lahnstein, eine Malerin der Neuen Sachlichkeit.
Martha leidet darunter, dass sie sich ständig zurückgesetzt fühlt wegen der Krankheit ihrer Schwester.
Zu Beginn des Romans reden die beiden nur wenig miteinander, sie haben nicht gelernt, über ihre Gefühle zu reden. Ihr Zusammenleben ist eher ein ständiger Kampf.
Ihr Verhältnis ändert sich, als sie gemeinsam eine abenteuerliche Fahrt nach Malmö unternehmen, um ein Bild von Lotte Lahnstein im Original zu sehen.
Der Roman ist abwechselnd aus der Perspektive der beiden Schwestern erzählt, wodurch es gelingt, dass den Lesenden beide Perspektiven deutlich werden. So können sie den Konflikt der Schwestern gut nachvollziehen.
Sprachlich ist der Roman überzeugend: Beide Schwestern sprechen Jugendlichen gemäß, ohne Anbiederung an die vermeintliche Jugendsprache. Ihre Sprechweise wirkt dadurch authentisch.
Der Konflikt der beiden Schwestern erscheint trotz der seltenen Krankheit nicht überzeichnet, sondern sehr realistisch. Auch das Ende des Romans vermag zu überzeugen.
Eine Leseempfehlung für alle, die Interesse an „coming of age“-Romanen haben, die interessant, einfühlsam und authentisch erzählt sind.