„Ich bin Marthas Schwester“, sage ich. Und trete ins Licht.

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downey_jr Avatar

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Die 17jährige Juna möchte unbedingt Malerin werden, schon immer war das ihr Traum. Auch die Diagnose „Usher-Syndrom“ und ihre drohende Erblindung halten sie nicht davon ab.

„Ich werde in fünf Monaten kaum noch sehen. Ich werde nicht auf die Kunstakademie gehen, ich werde nirgends hingehen. Wahrscheinlich werde ich für immer in diesem 15-Quadratmeter-Zimmer wohnen, und Martha wird die Einzige sein, die auszieht und in die Welt hinausgeht. Martha, die nicht auf die Hilfe von anderen angewiesen ist, Martha, der alle Möglichkeiten offenstehen und die absolut nichts daraus macht.
Ich will nichts anderes machen als Malen. Ich will nicht BWL studieren, will nicht einer von diesen Menschen werden. Ich hatte einen Plan, ich hatte immer einen Plan. Jetzt habe ich plötzlich gar nichts mehr.“

Ihre besten Freundinnen Daria und Christina sind neben der Kunst das Wichtigste für sie, ihre Beziehung zu Constantin dagegen bröckelt.

Junas 13jährige Schwester Martha wurde oft übersehen, immer stand die Gesundheit ihrer Schwester, die neben dem schwindenden Augenlich zusätzlich von Geburt an einen Hörfehler hat, im Mittelpunkt. Martha ist es leid, ständig mit der talentierten Juna verglichen zu werden: „Wie oft habe ich das schon gehört? Ich bin immer nur Junas Schwester, aber in dick. Junas schlechtere Version.“

Früher standen sich die Schwestern nahe, inzwischen reden sie kaum miteinander.
Als Marthas bester Freund Alex ist in den Ferien verreist, verschafft sie sich heimlich und mit dem geklauten Ausweis ihrer Schwester einen Job im Kino. Sie genießt die Unabhängigkeit, freundet sich mit ihrem Kollegen Sam an. Und sie lernt Sophie kennen, die gerade erst nach München gezogen ist, und verliebt sich in sie. Doch wie soll sie ihr das sagen?

Als Junas Diagnose sich unerwartet schneller verschlechtert, ist das ein Schock für Juna:
„Ich denke an Dr. Aumüllers Worte, an Papas Drängen. Psychotherapie. Mobilitätstraining. Es kommt mir bescheuert vor, meine letzten kostbaren Monate darauf zu verwenden, mich auf die Dunkelheit vorzubereiten. Was für eine Verschwendung. Sollte ich nicht eher versuchen, noch möglichst viel zu schaffen? Zu sehen?“

Juna möchte vor ihrer Erblindung unbedingt nochmal ihr Lieblingsgemälde von Lotte Laserstein in Malmö sehen. Mit Marthas Kino-Gehalt brechen die beiden Schwestern heimlich nach Schweden auf. Doch das Abenteuer wird zu einer ungeahnten Herausforderung, und als Juna plötzlich spurlos verschwunden ist, ist Martha am Verzweifeln ... Die beiden Schwestern begreifen, dass sie nur gemeinsam die Schwierigkeiten des Lebens meistern können.

Abwechselnd wird aus der Perspektive von Juna, Martha und ihrem Vater Georg erzählt, was mir sehr gut gefallen hat, ebenso der Schreibstil von Cora Wucherer. Die Abwesenheit der Mutter, die bei Marthas Geburt starb ist genauso greifbar wie Junas Verzweiflung angesichts der nahenden Erblindung; auch Marthas Zerrissenheit und Nichtgesehenwerden konnte ich so sehr nachfühlen.

Dass Cora Wucherer in den Roman auch Fakten über die Künstlerin Lotte Laserstein einfügt, Junas großes Idol, hat mir sehr gut gefallen und mich nun auch neugierig auf diese Malerin gemacht.

„All die Farben, all das Licht“ ist ein sehr berührender, intensiver Coming-of-age-Roman über Schwesternschaft, Freundschaft und Liebe, Zusammenhalt und Mut, der meine Erwartungen sogar übertroffen hat - ich vergebe 5 Sterne und eine eindeutige Leseempfehlung!

Vielen Dank an den Klett-Cotta Verlag, Vorablesen.de & NetGalley.de für das Rezensionsexemplar! 📚💚