Perfektes Schwesternbuch

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dagmee Avatar

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Es gibt Bücher, die man liest. Und es gibt Bücher, die einen callen. All die Farben all das Licht von Cora Wucherer gehört für mich zur zweiten Kategorie.

Vielleicht liegt es daran, dass ich selbst eine Schwester habe. Dass ich beim Lesen immer wieder dachte: Ja, genau so fühlt sich diese besondere Verbindung an. Diese Mischung aus Vertrautheit und Fremdheit, aus Nähe und Reibung. Menschen, die dieselbe Kindheit teilen und sich doch völlig unterschiedlich erinnern.

Cora Wucherer erzählt leise. Ohne großes Drama, ohne laute Gesten. Gerade dadurch entfalten ihre Worte eine besondere Kraft. Es sind die Zwischentöne, die Blicke, das Ungesagte, die nachhallen. Man liest nicht schnell, sondern bleibt. Weil man das Gefühl hat, zwischen den Zeilen genauso viel zu entdecken wie in den Sätzen selbst.

Besonders beeindruckt hat mich, wie fein sie Beziehungen beobachtet. Wie sie zeigt, dass Familie selten einfach ist – und Liebe oft dort am stärksten wird, wo sie nicht ausgesprochen werden muss.

Dieses Buch erinnert daran, dass wir alle unsere eigene Wahrheit über gemeinsame Erinnerungen haben. Und dass Licht und Schatten nie Gegensätze sind, sondern oft gleichzeitig existieren.

Ein stilles, kluges und berührendes Buch, das lange nachklingt. Für alle, die Geschwister haben. Und vielleicht noch ein bisschen mehr für alle, die sich schon einmal gefragt haben, warum die Menschen, die uns am nächsten stehen, manchmal am schwersten zu verstehen sind.