- Schwesterherz -

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sarah.klaus Avatar

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Ich musste dieses Buch allein schon wegen der Widmung lesen 😊

Mit All die Farben, all das Licht ist Cora Wucherer ein Debüt gelungen, das mich überzeugt.

Im Mittelpunkt stehen die Schwestern Juna, welche am Usher Syndrom erkrankt ist und Martha, die mit ihren dreizehn Jahren mitten in der Identitätsfindung steckt. Die Geschwister könnten unterschiedlicher kaum sein und kommen sich doch im Laufe eines Sommers immer näher. Beide Figuren erhalten Raum für ihre eigenen Gefühle, Ängste und Hoffnungen, und gerade Martha als Geschwisterkind einer erkrankten Schwester bekommt eine Stimme, die man in Romanen viel zu selten hört. Lediglich beim Alter der Figuren musste ich manchmal innehalten. Vor allem Martha wirkte auf mich in vielen Situationen deutlich älter und reflektierter als ihre dreizehn Jahre vermuten lassen. Dadurch fiel es mir gelegentlich schwer, sie als so junges Mädchen wahrzunehmen.

Auf den gerade einmal 320 Seiten finden eine Fülle an Themen Platz. Wo andere Romane ihre Handlung unnötig in die Länge ziehen, erzählt Cora Wucherer unglaublich viel, ohne dass sich die Geschichte überladen anfühlt. Neben dem Verlust des Augenlichts und dem Umgang mit dem Usher-Syndrom geht es um Trauer, Identität, Erwachsenwerden, Kunst, Familie und die Frage, wie man seinen eigenen Weg findet, wenn das Leben plötzlich eine völlig andere Richtung einschlägt. Die Themen lassen einen schweren Roman vermuten, dies ist er aber eben nicht, sondern er bleibt erstaunlich leicht, dank der Innensicht beider Schwestern.

Obwohl Juna als junge Künstlerin langsam ihr Augenlicht verliert und damit ihre größte Leidenschaft bedroht ist, dominiert nie die Hoffnungslosigkeit. Stattdessen vermittelt die Geschichte die Botschaft, dass es viele verschiedene Möglichkeiten gibt, mit Veränderungen umzugehen und neue Perspektiven zu entdecken. Gerade diese hoffnungsvolle Grundstimmung hat mir besonders gut gefallen.
Auch die Familiengeschichte verleiht dem Roman zusätzliche Tiefe. Die Mutter der Schwestern ist bei Marthas Geburt gestorben, der Vater ist alleinerziehend und versucht, schwierigen Gefühlen eher auszuweichen, als sich ihnen zu stellen. Dadurch entstehen viele leise, aber eindringliche Momente über Verlust, Identitätsfindung und die Frage, wie sehr einen ein Mensch prägt, den man nie kennenlernen konnte. Gerade dieser Aspekt hätte für mich sogar noch mehr Raum einnehmen dürfen.

Cora Wucherers Schreibstil ist angenehm klar und flüssig. Das Buch liest sich mühelos und gleichzeitig gelingt es ihr immer wieder, poetische Bilder einzubauen, die im Gedächtnis bleiben. Kleine Anekdoten und scheinbar beiläufiges Wissen verleihen der Geschichte zusätzlichen Charme.

Ich habe dank des Romans etwas über das Usher-Syndrom gelernt. Zudem hat das Buch dazu animiert mich auch intensiver mit der Künstlerin Lotte Laserstein zu beschäftigen, die für Juna ein großes Vorbild ist. Ihre Werke und ihre Lebensgeschichte haben mich über die eigentliche Lektüre hinaus fasziniert.

Als ich das Buch beendet hatte, hätte ich Juna und Martha am liebsten noch ein Stück weiter begleitet.

All die Farben, all das Licht ist für mich ein Roman, der zeigt, dass selbst in schwierigen Lebenssituationen Licht und Schönheit zu finden sind.