sehr berührend

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
robby-lese gern Avatar

Von

" All die Farben, all das Licht" war für mich ein Buch über Familiendynamiken im Zusammenhang mit Schicksalsschlägen das mich sehr berührt hat
Im Mittelpunkt des Buches stehen die Geschwister Juna und Martha.Juna leidet unter dem Usher Syndrom, einer Erkrankung der Wahrnehmungsorgane. Sie trägt seit ihrem Kleinkindalter Hörgeräte und jetzt im Alter von 17 Jahren droht sie zu erblinden.Für sie, die sich an der Kunsthochschule bewerben will und deren großes Vorbild die Malerin Lotte Laserstein ist,eine Katastrophe.
Martha ist drei Jahre jünger, bewundert ihre selbstbewusste Schwester, hat aber schwer daran zu tragen,dass ihre Mutter bei ihrer Geburt gestorben ist. Ihr Vater hat sein Medizinstudium aufgegeben und arbeitet jetzt als Krankenpfleger , um die Familie zu ernähren. Seine Frau war seine große Liebe. Geredet wird kaum über den Verlust. Die Sachen der Mutter sind im Keller in Kisten verpackt und bleiben genauso verschlossen, wie der Schmerz, der die ganze Familie lähmt. Das „Päckchen „ ist zu groß das man tragen muss, jeder auf seine Art. Der Vater ist total überfordert mit dem Tod seiner Frau und der Erkrankung seiner Tochter, die immer im Mittelpunkt der Familie steht. Martha wird immer wieder aufgefordert Rücksicht auf die Launen ihrer Schwester zu nehmen, die ein Zimmer teilen, aber nicht weiter voneinander entfernt sein können.Juna hadert mit ihrem Schicksal, wehrt sich gegen den Stempel „behindert“ und fühlt sich durch die Übervorsorge des Vaters zu sehr eingeengt und bevormundet. Martha wiederum „läuft nebenher“ und ist eifersüchtig auf Luna, die immer im Mittelpunkt steht, sie geht dann ihren eigenen Weg und keiner merkt, wie sehr sie unter der „Schuld“ leidet für den Tod ihrer Mutter verantwortlich zu sein.

Der Autorin gelingt ist sehr gut diese Familiendynamiken feinfühlig zu beschreiben. Für mich war Martha die Lieblingsfigur, ich konnte mich gut mit ihr identifizieren, da ich selbst mit einer herzkranken Schwester aufgewachsen bin.Ihr Gefühlsleben war mir nicht fremd. Ich hatte auch Verständnis für Juna, die nur um sich selbst kreiste, aber ich denke , so eine Krankheit macht was mit einem, doch ich fand sie schon manchmal sehr ungerecht und egoistisch.
Es war sehr interessant zu beobachten, wie sich die ganze Geschichte weiterentwickelte und jeder seinen Platz findet, auch indem man anfängt miteinander zu reden und auch wie sich Dynamiken innerhalb der Familie verändern können.

Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, auch wenn es manchmal ein paar Längen aufweist. Ein ruhiges, aber psychologisch höchst interessantes Buch das ich gerne weiterempfehle.