Zwei ungleiche Schwestern

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
jessi_bf95 Avatar

Von

All die Farben, all das Licht von Cora Wucherer hatte mich direkt mit dem Klappentext und der Leseprobe abgeholt. Eine Geschichte über zwei Schwestern, die keine einfache Beziehung zueinander haben und dazu eine Krankheit, die zunächst alles überschattet.

Die Kapitel wechseln ab aus der Sicht von Juna (17) und Martha (13), nach etwa der Hälfte gibt es auch ein Kapitel aus der Sicht des Vaters.
Der Schreibstil ist angenehm, auch das Tempo fand ich gut und man wird direkt abgeholt.

Die Beziehung zwischen Juna und Martha ist nicht so einfach. Sie sind alleine mit ihrem Vaters, der lange im Krankenhaus arbeitet, die Mutter ist gestorben und eigentlich haben sie nur noch sich gegenseitig. Wäre das nicht die schwierige Beziehung zueinander. Sie teilen sich ein Zimmer und stoßen immer wieder aneinander, sind wirklich fies, teilweise vor allem die ältere Schwester. Diese hat das Usher-Syndrom und nun wird ihr Augenlicht immer weniger. Dies lässt sie meiner Meinung nach auch an ihrer Schwester Martha aus, die so sorglos durchs Leben gehen kann, im Gegensatz zu Juna.

Als sich jetzt die Diagnose verschlechtert, spitzt sich die Situation weiter zu, Juna gerät in Panik und unter Zeitdruck, denn eigentlich wollte sie doch unbedingt Künstlerin werden. Dabei öffnet sie sich ihrer Schwester gegenüber gar nicht wirklich, die selber mit dem ganzen zu kämpfen hat. Denn durch die Diagnose wird sie in der Familie nicht wirklich gesehen, sie ist ja gesund und "braucht nicht so viel Aufmerksamkeit".
Also entschließt Martha sich kurzerhand als ihre Schwester auszugeben, um einen Job im Kino zu bekommen und etwas Geld zu sparen. Dies kommt den beiden dann zugute als Juna, bevor sie erblindet, ihr Lieblingsgemälde von Lotte Laserstein sehen möchte, in Malmö, und Martha ihr so die Reise ermöglichen kann.

Während dieser Reise merkt man wie die Rollen tauschen und Martha, die Planung, Verantwortung und Organisation übernehmen muss, da die ganzen äußerlichen Reize für Juna zu viel sind und diese sich vollkommen auf ihre kleine Schwester verlassen muss.

Die Handlung ist teilweise schwer, hat zwischendurch aber auch seine leichten Momente gehabt, vor allem aber viele emotionale Stellen, in denen man mit den Tränen kämpft.
Es ist keine einfache Kost, aber es ist schön die beiden Schwestern zu begleiten, sowohl sie im Alltag kennenzulernen, mit allen Wünschen, Freundschaften, Hindernissen und Konflikten, als auch bei ihrem Abenteuer, bei dem sie über sich hinaus wachsen.

Das Buch hat mir wirklich unglaublich gut gefallen, es ist mal leicht, mal wirklich schwer, super emotional und berührend und man ist dieser kleinen Familie so nah, als diese mit etwas kämpft, jeder mit seinen eigenen Problemen, die zu groß sind, um es in Worte zu fassen und dadurch die Kommunikation und das Verständnis füreinander fehlen. Ein wirklich wundervoller Roman, den ich jedem ans Herz legen kann.