Zwei Welten

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leylin Avatar

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In „All die Farben, all das Licht“ erzählt Cora Wucherer von den Schwestern Juna und Martha, die gemeinsam mit ihrem Vater zusammen leben und trotz des geteilten Zimmers könnten die beiden kaum unterschiedlicher sein. Während die 17-jährige Juna mit der fortschreitenden Usher-Krankheit, diese führt zum Hörverlust und Erblindung, lebt und davon träumt, Künstlerin zu werden, fühlt sich die jüngere Martha oft unsichtbar und an den Rand gedrängt.
Als Juna unbedingt nach Malmö reisen möchte, um die Werke ihrer Lieblingsmalerin noch einmal sehen zu können, bevor ihre Erkrankung weiter voranschreitet, beschließt Martha, ihr diesen Wunsch zu erfüllen. Gemeinsam machen sich die Schwestern auf eine Reise, die nicht nur voller Herausforderungen steckt, sondern auch ihre Beziehung zueinander verändert.
Die Autorin schreibt in einem weichen, fast poetischen Stil der aber einen leichten Lesefluss ermöglichst. Sie packt viel Bedeutung in die Sätze hinein, wie z.B.
"Juna war größer als ich, unerreichbar. Das ist sie immer noch, obwohl ich sie mittlerweile um ein paar Zentimeter überrage." (Pos.163) oder "Ich habe nie daran gedacht, dass das bedeuten könnte, dass sie übersehen wird. Dass ihre Gesundheit sie unsichtbar macht." (Pos. 3589).

Der Roman behandelt Themen wie Familie, Verlustängste, Hoffnung und das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Verständnis auf sehr einfühlsame Weise. Besonders die Beziehung zwischen den Schwestern wirkt glaubwürdig und emotional nah, wodurch man ihre Gedanken und Gefühle intensiv miterlebt.
Dies macht die Autorin sehr deutlich durch die wechselnden Sichtweisen in den Kapiteln.
Auch der Umgang mit einer degenerativen Krankheit in jungen Jahren arbeitet Cora Wucherer präzise auf. Ich konnte mich durch die Darstellung der Wut und Zerissenheit gut in die Gefühlswelt von Juna einfinden. Sehr schön fand ich auch die Darstellung des starken Willens von Martha und ihrer Resilienz.
Dank Cora Wucherer habe ich auch ein neues Wort gelernt: Komorebi - Sonne die durch ein Blätterwerk scheint. (Pos. 3207) Das finde ich ein sehr großartiges Wort.

Ein berührendes und zugleich warmherziges Buch, das lange im Kopf bleibt. Ich habe es gern gelesen und selten aus der Hand legen können.