Alle glücklich?

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Mein erster Eindruck von "Alle glücklich" ist sehr positiv. Das Cover wirkt ruhig, beinahe harmlos, was einen spannenden Kontrast zum Inhalt bildet. Es suggeriert Ordnung und Wärme, während sich in der Leseprobe schnell zeigt, wie viel Ungesagtes und Unausgeglichenes unter der Oberfläche liegt.

Der Schreibstil ist klar, präzise und unaufgeregt, aber genau darin liegt seine Stärke. Kira Mohn erzählt mit psychologischer Genauigkeit und ohne großes Pathos. Besonders gelungen finde ich den Perspektivwechsel zwischen den verschiedenen Familienmitgliedern, der die Spannungen sehr greifbar macht.

Der Spannungsaufbau ist leise, aber konstant kein äußerer Plot-Twist, sondern ein stetiges Unbehagen, das sich aus Abhängigkeiten, Machtgefällen und unausgesprochenen Bedürfnissen speist. Die Figuren wirken glaubwürdig und unangenehm real, vor allem Nina mit ihrem inneren Konflikt zwischen Anpassung und Selbstaufgabe. Ich erwarte eine Geschichte über Kontrolle, Selbsttäuschung und das brüchige Ideal vom „harmonischen“ Familienleben. Weiterlesen möchte ich, weil das Buch keine einfachen Antworten verspricht und spürbar auf einen emotionalen Kipppunkt zusteuert.