Aus dem Alltag

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crazybananachikita Avatar

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Schon nach den ersten Seiten hat mich Alle glücklich emotional abgeholt. Kira Mohn erzählt ruhig, feinfühlig und sehr nah an ihren Figuren – ohne große Dramatik, aber mit einer Tiefe, die lange nachwirkt. Besonders beeindruckt hat mich, wie authentisch die unterschiedlichen Perspektiven dargestellt werden: Nina als Mutter, die sich zwischen Verantwortung, eigenen Bedürfnissen und einer schleichenden Unzufriedenheit verliert, Emilia auf der Schwelle zum Erwachsenwerden mit all ihren Unsicherheiten, ersten Erfahrungen und großen Gefühlen, und Ben, der leise, nachdenkliche Beobachter, der oft übersehen wird.

Die Autorin beschreibt Alltägliches so präzise, dass es beinahe schmerzt – Familienmomente, unausgesprochene Konflikte, kleine Gesten, die mehr sagen als große Worte. Gerade diese Zurückhaltung macht den Text so stark. Es geht weniger um äußere Handlung als um innere Bewegungen: um Rollenbilder, Erwartungen, Nähe und die Frage, was Glück eigentlich bedeutet – und für wen.

Besonders berührt hat mich die Ehrlichkeit, mit der Unsicherheiten, Zweifel und emotionale Schieflagen gezeigt werden, ohne zu werten oder zu vereinfachen. Man erkennt sich selbst in vielen Gedanken wieder, sei es als Elternteil, als Kind oder als jemand, der sich fragt, ob das eigene Leben wirklich „richtig“ ist.

Alle glücklich ist für mich ein stiller, intensiver Roman, der unter die Oberfläche schaut und lange nachhallt. Genau die Art von Geschichte, die man nicht einfach liest, sondern fühlt – und über die man noch lange nachdenken möchte.