Der normale Wahnsinn?

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hersecretbooklove Avatar

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Auf den ersten Blick scheint hier alles vertraut und geordnet, fast schon selbstverständlich. Eine Familie, wie man sie kennt oder zu kennen glaubt. Doch schon nach wenigen Zeilen wird klar, dass unter dieser Oberfläche vieles im Ungleichgewicht ist. Die kurzen Einblicke in die einzelnen Figuren wirken wie kleine Risse in einer Fassade, die lange gehalten hat, nun aber unter dem Druck zu bröckeln beginnt.
Mich spricht besonders an, wie jede Person für sich steht und doch untrennbar mit den anderen verbunden ist. Nina, die mehr ist als die Rollen, die sie ausfüllt. Alexander, der gibt und gibt und sich dabei selbst verliert. Emilia, die zwischen erster Liebe und eigener Identität schwankt. Und Ben, dessen wiederholte Beteuerung, dass alles gut sei, eher nach innerem Kampf als nach Leichtigkeit klingt.
Ich erwarte mir eine feinfühlige, psychologisch starke Familiengeschichte, die nicht urteilt, sondern beobachtet. Einen Roman, der zeigt, wie leicht man sich in Erwartungen, Pflichten und unausgesprochenen Bedürfnissen verheddern kann. Von Kira Mohn erhoffe ich mir dabei Tiefe, Ehrlichkeit und Figuren, die lange nachwirken.