Ein Zuhause voller unausgesprochener Gefühle - Alle glücklich?

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lizzy305 Avatar

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Schon nach wenigen Seiten hat mich die Leseprobe berührt. Dieser ruhige, beinahe beiläufige Blick auf den Familienalltag – auf die kleinen Sorgen, unausgesprochenen Spannungen und leisen Hoffnungen – fühlt sich unglaublich nahbar an. Gerade weil nichts überdramatisiert wird, entfaltet die Geschichte eine große emotionale Wirkung.
Besonders schön fand ich die feinen Verbindungen zwischen den Kapiteln: Dass Mutter und Tochter beide kurz über die Artischocke stolpern, wirkt wie ein stilles Band zwischen ihnen. Auch das gemeinsame Abendessen, das im Kapitel des Bruders erneut auftaucht, zeigt eindrucksvoll, wie unterschiedlich Nähe, Routine und Familie für jedes einzelne Familienmitglied empfunden werden. Diese kleinen Details sagen oft mehr als große Worte.
Der Schreibstil liest sich leicht und flüssig, gleichzeitig steckt zwischen den Zeilen viel Gefühl. Ich war sofort im Geschehen und hatte das Gefühl, Teil dieser Familie zu sein – mit all ihren Brüchen, Unsicherheiten und unausgesprochenen Fragen. Nun bin ich sehr gespannt, welche Konflikte sich im Laufe der Geschichte entfalten und wie sich die Beziehungen weiterentwickeln.
Besonders neugierig macht mich die Frage, aus welchen Perspektiven die Geschichte erzählt wird: Ob der Vater noch eine eigene Stimme bekommt oder bewusst im Hintergrund bleibt, vielleicht als eine unberechenbare Konstante im Familiengefüge. Alle glücklich fühlt sich schon jetzt nach einem Buch an, das leise unter die Haut geht – und genau darauf freue ich mich sehr.