Weibliche Selbstaufgabe, ökonomische Abhängigkeit und verpasste Möglichkeiten
Das ist ein Romananfang, der leise einsetzt und genau darin seine Stärke hat. Kein Knall, kein dramaturgischer Paukenschlag – sondern Alltag. Und zwar jener Alltag, der sich für viele Frauen beunruhigend vertraut anfühlt.
Schon die ersten Seiten im Bad sind präzise beobachtet: die leicht hysterische Morgenhektik, die mütterliche Mischung aus Fürsorge, Schuldgefühl und latenter Wut. Der Dialog wirkt ungekünstelt, fast beiläufig, und genau dadurch sehr echt. Emilia bleibt zunächst schemenhaft, aber Nina tritt sofort plastisch hervor – als Frau, die permanent zwischen Funktionieren und innerem Aufbegehren pendelt.
Was mich früh überzeugt hat, ist die Perspektive: Der Text verweilt nicht nur bei äußeren Abläufen, sondern kippt fast unmerklich in Ninas Gedankenwelt. Ihre innere Müdigkeit, dieses ständige Zurückstecken, wird nicht erklärt, sondern gezeigt. Besonders stark fand ich die Passagen rund um das Geld: das zweite Konto, der heimliche Nebenjob, die Friseurdiskussion mit Alex. Hier wird ohne große Gesten eine klassische Machtasymmetrie sichtbar – modern verpackt, aber erschreckend alt. Der Begriff „klassische Frauenfalle“ kommt zwar explizit vor, wirkt aber verdient und nicht belehrend, weil der Text ihn sauber vorbereitet.
Auch die Figurenkonstellation funktioniert für mich: der joviale, scheinbar verständnisvolle Ehemann, dessen Entschuldigung sich wie eine Grenzüberschreitung anfühlt; die Kinder, die längst eigene Umlaufbahnen haben; der verwitwete Chef, in dem ein mögliches anderes Leben aufscheint – vorsichtig angedeutet, ohne romantisiert zu werden. Besonders schön: dass der Text diese „Was wäre wenn“-Momente sofort wieder einfängt und Nina selbst zur Ordnung ruft. Das bewahrt den Roman vor Kitsch.
Stilistisch ist das alles sehr kontrolliert. Klar, ruhig, schnörkellos, mit feinem Gespür für Rhythmus. Man merkt, dass hier jemand weiß, wann ein Gedanke stehen bleiben darf und wann er abgebrochen werden muss. Die Sprache drängt sich nicht auf, sondern trägt – was für diese Art von Stoff enorm wichtig ist.
Mein Eindruck nach diesem Einstieg: Das hier könnte ein Roman über weibliche Selbstaufgabe, ökonomische Abhängigkeit und verpasste Möglichkeiten werden, der seine politische Dimension nicht ausstellt, sondern im Privaten verankert. Kein lautes Buch, aber eines, das nachhallt. Ich habe sofort das Bedürfnis weiterzulesen – nicht aus Neugier auf ein „Ereignis“, sondern aus dem Wunsch heraus, zu sehen, ob Nina irgendwann einen Spalt findet, durch den sie atmen kann.
Schon die ersten Seiten im Bad sind präzise beobachtet: die leicht hysterische Morgenhektik, die mütterliche Mischung aus Fürsorge, Schuldgefühl und latenter Wut. Der Dialog wirkt ungekünstelt, fast beiläufig, und genau dadurch sehr echt. Emilia bleibt zunächst schemenhaft, aber Nina tritt sofort plastisch hervor – als Frau, die permanent zwischen Funktionieren und innerem Aufbegehren pendelt.
Was mich früh überzeugt hat, ist die Perspektive: Der Text verweilt nicht nur bei äußeren Abläufen, sondern kippt fast unmerklich in Ninas Gedankenwelt. Ihre innere Müdigkeit, dieses ständige Zurückstecken, wird nicht erklärt, sondern gezeigt. Besonders stark fand ich die Passagen rund um das Geld: das zweite Konto, der heimliche Nebenjob, die Friseurdiskussion mit Alex. Hier wird ohne große Gesten eine klassische Machtasymmetrie sichtbar – modern verpackt, aber erschreckend alt. Der Begriff „klassische Frauenfalle“ kommt zwar explizit vor, wirkt aber verdient und nicht belehrend, weil der Text ihn sauber vorbereitet.
Auch die Figurenkonstellation funktioniert für mich: der joviale, scheinbar verständnisvolle Ehemann, dessen Entschuldigung sich wie eine Grenzüberschreitung anfühlt; die Kinder, die längst eigene Umlaufbahnen haben; der verwitwete Chef, in dem ein mögliches anderes Leben aufscheint – vorsichtig angedeutet, ohne romantisiert zu werden. Besonders schön: dass der Text diese „Was wäre wenn“-Momente sofort wieder einfängt und Nina selbst zur Ordnung ruft. Das bewahrt den Roman vor Kitsch.
Stilistisch ist das alles sehr kontrolliert. Klar, ruhig, schnörkellos, mit feinem Gespür für Rhythmus. Man merkt, dass hier jemand weiß, wann ein Gedanke stehen bleiben darf und wann er abgebrochen werden muss. Die Sprache drängt sich nicht auf, sondern trägt – was für diese Art von Stoff enorm wichtig ist.
Mein Eindruck nach diesem Einstieg: Das hier könnte ein Roman über weibliche Selbstaufgabe, ökonomische Abhängigkeit und verpasste Möglichkeiten werden, der seine politische Dimension nicht ausstellt, sondern im Privaten verankert. Kein lautes Buch, aber eines, das nachhallt. Ich habe sofort das Bedürfnis weiterzulesen – nicht aus Neugier auf ein „Ereignis“, sondern aus dem Wunsch heraus, zu sehen, ob Nina irgendwann einen Spalt findet, durch den sie atmen kann.