Alle glücklich...oder doch nicht?

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mrs.unfold Avatar

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Die Geschichte startet ruhig und ohne große Ereignisse. Nach und nach begleiten wir die vier Mitglieder einer Familie durch ihren Alltag und lernen ihre Gedanken, Gefühle und kleinen Sorgen kennen. Auf den ersten Blick wirkt alles ganz normal eine scheinbar harmonische Familie, deren Leben in geordneten Bahnen verläuft. Doch je länger man liest, desto deutlicher wird, dass hinter dieser Fassade etwas nicht stimmt. Unzufriedenheit schleicht sich langsam ein, zunächst kaum bemerkbar, dann immer spürbarer. Schließlich entsteht das Gefühl, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die fragile Balance zerbricht und die sorgfältig aufrechterhaltene Normalität auseinanderfällt. Im Mittelpunkt stehen Nina, die als Mutter und Ehefrau den Großteil der familiären Verantwortung trägt und versucht, alles zusammenzuhalten, sowie ihr Mann Alexander, der als Oberarzt stark in seinen Beruf eingebunden ist und mit vielen Überstunden den Lebensunterhalt der Familie sichert. Ihre Tochter Emilia ist sechzehn und erlebt gerade die intensiven Gefühle der ersten großen Verliebtheit. Ihr älterer Bruder Ben hingegen lebt eher zurückgezogen, studiert und verbringt viel Zeit in der Welt der Videospiele. Mit einer ruhigen, beinahe sachlichen, aber gleichzeitig sehr präzisen Sprache gelingt es der Autorin, jeder dieser Figuren eine eigene Stimme zu geben. Die unterschiedlichen Perspektiven eröffnen Einblicke in ihre inneren Konflikte, Sehnsüchte und Emotionen. Selbst Figuren, mit denen man sich vielleicht schwerer identifizieren kann, werden mit Verständnis und Feingefühl dargestellt, ohne dabei kritische Aspekte auszublenden. Der Inhalt zeichnet das Bild einer Familie, die genauso gut real existieren könnte. Viele Situationen, Gedanken oder Dynamiken wirken vertraut und regen dazu an, über eigene Erfahrungen und Beziehungen nachzudenken. Die Erzählweise wirkt leicht und unaufdringlich, trägt jedoch zugleich eine gewisse emotionale Schwere in sich fast so, als würde man sich an eine bittersüße Erinnerung zurückerinnern. Mich hat die Geschichte sehr gefesselt, und ich wollte das Buch kaum aus der Hand legen. Auch nach dem Lesen hat es noch lange nachgewirkt und mich zum Nachdenken gebracht. Für mich eine sehr empfehlenswerte Lektüre.