Blick hinter die Fassade

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kikiwee17 Avatar

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Cover gesehen, Klappentext gelesen und ich wusste, das ist ein Buch, das ich lesen möchte.
Die Famillienkonstellation: Vater Oberarzt und erfolgreich Vollzeit arbeitend, Mutter in einer Teilzeitbeschäftigtigung in einer Hausarztpraxis mit heimlichem Nebenjob. Zwei heranwachsende Kinder, der ältere Bruder bereits im Studium, die jüngere Schwester noch auf der Schule. Es ist genug Geld da, um ein gutes Leben zu finanzieren, die Mutter kümmert sich neben ihrem Job um Haushalt und täglich ums gemeinsame Abendessen, denn es ist ihr wichtig, die Familie einmal am Tag versammelt zu haben. Eigentlich könnten doch alle glücklich sein!

Ich habe das Buch in einem Rutsch gelesen. Einmal angefangen, konnte ich mich von den Geschehnissen und der Dynamik der Erzählung nicht mehr lösen. Man begleitet die vier Familienmitglieder in ihrem Alltag, erfährt ihre Gedankengänge & Überlegungen, also das, was sie wirklich bewegt. Gerade Ninas Gedanken konnte ich dabei sehr gut nachempfinden, einerseits die finanzielle Abhängigkeit von ihrem Mann Alex, die Veränderung der Partnerschaft über die Jahre durch die Familiengründung und auch das „Loslassen“ der heranwachsenden Kinder und damit der allmähliche Verlust der Aufgabe, die über viele Jahre ihr Lebensinhalt war. Auch bei den anderen Familienmitgliedern ist nicht alles easy. Emilia ist bezüglich ihres ersten „richtigen“ Freunds manchmal unsicher, verliert die Nähe zu ihrer besten Freundin und gerät in eine schreckliche Situation. Ben ist ein Einzelgänger, sein Studium langweilt ihn eher und im Gegensatz zu seiner Schwester hatte er auch noch nie eine Freundin, er weiß aber auch einfach nicht, wie er das ändern kann. Sogar in Alex konnte ich mich hineinversetzen, obwohl er mir durch sein Verhalten und seine Äußerungen nicht sympathisch war, fand ich ihn als Charakter nachvollziehbar. Alles war sehr authentisch und lebensnah erzählt.

Es passiert auf den knapp 300 Seiten sehr viel bei jedem einzelnen Familienmitglied. Leider sind sie nicht wirklich bereit über ihre Probleme zu sprechen, sondern leben in ihrem Familienleben mehr nebeneinander als miteinander. Die Handlung wird zum Ende hin sehr dramatisch und ich hätte mir noch ein bisschen mehr Zeit für den Abschluss der Geschichte gewünscht. Auf der anderen Seite kann der Leser hier natürlich auch seinen eigene Interpretation ins Spiel bringen.

“Alle glücklich“ ist ein fesselndes Buch über eine ganz normale Familie, das mich berührt und zum Nachdenken anregt hat. Leseempfehlung!