Gefangen im Alltagstrott

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anna7598 Avatar

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Kira Mohn beschreibt in ihrem Buch "Alle glücklich" das Alltagsleben einer typischen, vierköpfigen Familie bestehend aus Mutter Nina, Vater Alexander, Tochter Emilia und Sohn Ben. Jedes Familienmitglied kämpft mit individuellen Problemen und Zweifeln, alle wirken mit ihrer aktuellen Lebenssituation unzufrieden.

Die Ironie im Titel gefällt mir sehr gut, ich hätte jedoch darauf basierend erwartet, dass die Familie nach außen hin den Schein einer perfekten, glücklichen Familie wahren möchte - im Fokus des Buchs stehen jedoch die Erlebnisse und Gedanken der einzelnen Familienmitglieder. Eine Außenwirkung wird wenig bis gar nicht thematisiert.

Mutter, Tochter und Sohn wirken insgesamt sympathisch, hadern aber (zu) viel mit sich selbst und versinken in Selbstmitleid. Die einzige Person, die zumindest anfänglich nicht von Selbstzweifeln geprägt ist, ist der Vater - der durch seine eher rücksichtslose, egoistische Art und einen direkten, harten Tonfall leider wenig sympathisch rüberkommt. Insgesamt sind die Familie und ihr "Zusammenleben" authentisch dargestellt, an manchen Stellen wirkt die Story jedoch etwas forciert und übertrieben. Eine latente Traurigkeit zieht sich durch das ganze Buch, es regt auch immer mal zum Nachdenken an.

Die Verwicklungen zwischen den Familienmitgliedern könnten intensiver sein, man erhält den starken Eindruck, dass alle ihr eigenes Leben leben - vermutlich aber so gewollt. Die Geschichte entwickelt sich recht langsam, was gut zum Alltagsgeschehen passt.