Großartige Leseüberraschung
Kira Mohn schreibt in «Alle glücklich» über eine vierköpfige Familie, in der sich mit den Jahren irgendwas verändert hat. Das Gefühl, zusammenzugehören, ist vorbei. Für die 43-jährige Nina ist es schwierig geworden, stillschweigend ihre Rollen als arbeitende Mutter, Haushälterin und Ehefrau auszufüllen. Immer wieder kommt es zum Streit mit ihrem Mann, der weder ihre unsichtbaren Handlungen wertschätzt, noch sie selbst. «Alles, was sie wollte, war Ruhe, Frieden und ein bisschen Aufmerksamkeit von Seiten ihres Mannes.» Ihr Mann Alexander sieht sich als Lebensgrundlagenversorger der Familie und fühlt sich dabei in seinen Bedürfnissen als Mann zurückgewiesen. Die 16-jährige Emilia ist zum ersten Mal mit einen Jungen zusammen und ihr 20-jähriger Bruder Ben bewegt sich kaum aus seinem Zimmer heraus. Für alle vier Familienmitglieder verändert sich etwas und es spitzt sich immer weiter zu: Nina freundet sich mit einer Kollegin an und kümmert sich mehr um sich selbst. Alex wird eifersüchtig und wütend. Nach einer Party ändert sich für Emilia alles und sie gibt sich selbst die Schuld. Ben möchte selbstbewusster werden und endlich herausfinden, was er will. Dabei stößt er auf Videos von Adrian, der ihn mit Selbstdisziplin vom Loser zum Löwen machen will. Wird er sich jetzt endlich trauen, seinen heimlichen Schwarm an der Uni anzusprechen?
Es ist spannend, mitzuverfolgen, was den Vier widerfährt, und wie sie damit umgehen. Statt Mitgefühl, Verständnis und Zusammenhalt kommt es zum Machtmissbrauch, zu falschen Annahmen, Einsamkeit und Verzweiflung. Die Figurenentwicklung ist dabei ganz unterschiedlich. Während der Frauen daran zu wachsen scheinen, sind die Männer in ihrer Opferrolle gefangen und kommen dabei nicht gut weg. «Mussten sie sich eigentlich von jedem Mann in ihrer Umgebung ständig abkanzeln lassen?» Ob das abgespeckte Alpha-Gerede von Adrian, Julians Verhalten, Anastasias Ex oder Ninas Erfahrungen als Verkäuferin. Lediglich Ben hat Respekt vor Frauen und versucht für seine Schwester da zu sein. Die Szene, in der sie gemeinsam einen Film gucken, den ich auch noch selbst gern mag, war einfach schön. Ein kleines bisschen Harmonie in der Familie. Beim Lesen wollte ich beide in den Arm nehmen, bei all dem, was ihnen passiert. Die Eltern sind mit sich selbst beschäftigt und nicht für sie da. Mich hat der Roman auch nach dem Ende nicht ganz losgelassen und es gibt ein paar Punkte, über die man in den Austausch kommen kann – die zum Selbstausfüllen einladen. Kira Mohn deutet nur an und lässt der eigenen Vorstellungskraft Raum. Dazu kommt ein flüssiger und leicht zugänglicher Schreibstil, eine unterschwellige Spannung und eine stille Atmosphäre, obwohl es um tiefgreifende und aufreibende Themen geht. Eine unerwartete und großartige Leseüberraschung für mich, die ich nur empfehlen kann!
Es ist spannend, mitzuverfolgen, was den Vier widerfährt, und wie sie damit umgehen. Statt Mitgefühl, Verständnis und Zusammenhalt kommt es zum Machtmissbrauch, zu falschen Annahmen, Einsamkeit und Verzweiflung. Die Figurenentwicklung ist dabei ganz unterschiedlich. Während der Frauen daran zu wachsen scheinen, sind die Männer in ihrer Opferrolle gefangen und kommen dabei nicht gut weg. «Mussten sie sich eigentlich von jedem Mann in ihrer Umgebung ständig abkanzeln lassen?» Ob das abgespeckte Alpha-Gerede von Adrian, Julians Verhalten, Anastasias Ex oder Ninas Erfahrungen als Verkäuferin. Lediglich Ben hat Respekt vor Frauen und versucht für seine Schwester da zu sein. Die Szene, in der sie gemeinsam einen Film gucken, den ich auch noch selbst gern mag, war einfach schön. Ein kleines bisschen Harmonie in der Familie. Beim Lesen wollte ich beide in den Arm nehmen, bei all dem, was ihnen passiert. Die Eltern sind mit sich selbst beschäftigt und nicht für sie da. Mich hat der Roman auch nach dem Ende nicht ganz losgelassen und es gibt ein paar Punkte, über die man in den Austausch kommen kann – die zum Selbstausfüllen einladen. Kira Mohn deutet nur an und lässt der eigenen Vorstellungskraft Raum. Dazu kommt ein flüssiger und leicht zugänglicher Schreibstil, eine unterschwellige Spannung und eine stille Atmosphäre, obwohl es um tiefgreifende und aufreibende Themen geht. Eine unerwartete und großartige Leseüberraschung für mich, die ich nur empfehlen kann!