Interessante und authentische Familiengeschichte

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
melanie22 Avatar

Von

Im Buch „Alle glücklich“ von Kira Mohn wird eine interessante und authentische Familiengeschichte erzählt. Mutter Nina hat ihr Medizinstudium abgebrochen, um Kinder zu bekommen und sich der Familie zu widmen. Sie arbeitet halbtags als MFA und hat noch einen anderen Job, von dem die Familie nichts weiß. Vater Alexander ist Oberarzt in der Klinik und beruflich sehr eingespannt. Emilia ist eine typische Teenagerin, die noch zur Schule geht und seit drei Monaten einen festen Freund hat. Ben studiert und sein einziges Hobby ist das Zocken am PC. Alle vier Familienmitglieder leben zwar räumlich zusammen, aber doch mehr oder weniger nebeneinander her und haben mit ihrem eigenen Leben zu kämpfen. Jeder ist unzufrieden aber in seinem Leben gefangen und das Familienidyll bekommt nach und nach Risse, bis sich die Situation zuspitzt und sich die Wahrheit ihren Weg in die Freiheit bahnt.

Mir hat das Buch insgesamt gut gefallen. Die einzelnen Familienmitglieder sind authentisch und werden vielschichtig dargestellt. Ihre Entwicklung im Laufe des Romans ist sehr interessant. Die Geschichte ist mitten aus dem Leben gegriffen und zeigt, dass hinter der idyllischen Fassade einer Familie jede Menge Probleme und unausgesprochene Sehnsüchte lauern, die ein Konfliktpotenzial darstellen, weil sie nicht angesprochen werden. Diese Realitätsnähe hat mir besonders gut gefallen, da sie zum Nachdenken und zur Selbstreflexion anregt. Der Schreibstil der Autorin ist wunderbar flüssig und die Geschichte lässt sich angenehm leicht lesen. Der Roman verfügt über einen guten Spannungsbogen. Durch die vier Perspektiven der jeweiligen Familienmitglieder gelingt es dem Leser, tief in die Gedanken und Gefühle der einzelnen Charaktere einzutauchen und hautnah beim Geschehen dabei zu sein. Ich fand insbesondere die Sichtweise von Emilia und Ben sehr interessant, da ihre Selbstzweifel, Ängste und ihr pubertäres Verhalten mich an meine eigenen Kinder erinnern. Aber auch Nina, als Mutter und Mädchen für alles, kommt mir als Charakter sehr bekannt vor:-). Das Ende der Geschichte fand ich etwas zu abrupt, da hätte ich mir einfach noch mehr gewünscht. Mir persönlich waren es ein paar Themen zuviel in diesem Buch. Ich hätte mir weniger Themen aber mit mehr Tiefe gewünscht. Insgesamt aber ein interessanter Familienroman, der sich spannend liest und zum Nachdenken anregt.