Unter der Oberfläche des Scheinglanzes - brillant erzählt
Bereits der Titel vermittelt das Gefühl, einem Versprechen zu begegnen, das sich selbst misstraut. Der Titel „Alle glücklich“ klingt hell, beinahe harmlos und doch schwingt von Beginn an leiser Zweifel mit. Kira Mohn erzählt nicht von Harmonie, sondern von der Sehnsucht danach und der zugleich immanenten Unfähigkeit, in einer von Vernachlässigung vergifteten Familienatmosphäre Glück selbst herzustellen.
Was mich besonders beeindruckt hat, ist die Art, wie sich der Roman entfaltet. Die Autorin entspinnt ihn nicht frontal, nicht dramatisch im klassischen Sinn, sondern schichtweise. Mit jedem Perspektivwechsel - von Nina zu Alexander, von Ben zu Emilia - hatte ich das Gefühl, einen Raum weiter in dieses Haus der Familie vorzudringen. Türen öffnen sich, Lichter gehen an, und plötzlich sieht man Dinge, die vorher im Halbdunkel lagen. Die Erzählweise ist dabei von einer eigentümlichen Dynamik. Sie ist ruhig im Ton, aber unaufhaltsam in der Bewegung. Man merkt früh, dass hier etwas ins Rutschen gerät und liest unerbittlich weiter, ohne dass es ein Zurück gibt. Der Sog ließ mich das Buch in einem Ritt verschlingen.
Der Plot hat für mich etwas Wirbelndes. Nicht explosionsartig, sondern kreisend, verdichtend, beschleunigend wie ein Tornado, der sich aus lauter unscheinbaren Luftbewegungen formt. Kleine Gesten, Nebensätze, Gedanken, die zunächst belanglos wirken, gewinnen plötzlich Gewicht. Ich habe beim Lesen immer wieder innegehalten, weil mir auffiel, wie sehr sich die Atmosphäre verändert hatte, ohne dass ich genau sagen konnte, wann es passiert war. Es gibt keinen Kipppunkt, kein Jetzt, kein ab hier und doch befinde ich mich in einem Dramawirbelsturm.
Besonders nah gegangen sind mir die inneren Monologe. Ich hatte das Gefühl, nicht nur Figuren zu beobachten, sondern ihnen tatsächlich beim Denken zuzuhören. Manches hat mich irritiert, manches wütend gemacht, anderes wiederum tief berührt, vor allem, weil so vieles erschreckend vertraut klang. Dieses Schweigen in Familien über die wirklich tiefgehenden Fragen, das Nebeneinanderherleben im Alltag, diese gut gemeinten, aber ins Leere laufenden Versuche von Nähe. Das alles hat Kira Mohn mit einer Genauigkeit verarbeitet, die mir beim Leseerlebnis stellenweise unangenehm war. Ertappt.
Das Ende schließlich habe ich als konsequent, aber auch als sehr stark zugespitzt erlebt. Nach der sorgfältig aufgebauten Dramaturgie wirkte der finale Bruch beinahe unausweichlich, als logische Folge der zuvor entfesselten Dynamik. Und doch blieb bei mir das Gefühl, dass diese äußerste Eskalation vielleicht nicht zwingend notwendig gewesen wäre. Die psychologische Spannung war bereits so dicht, dass sie auch ohne diese Zuspitzung getragen hätte. Gerade weil der Roman zuvor so fein und leise gearbeitet ist, wirkt das Finale auf mich zugleich folgerichtig und ein wenig überakzentuiert.
Am Ende blieb ich nicht mit einem sauberen Abschluss zurück, sondern mit einem Nachhall. Mit Fragen. Mit dem Gefühl, dass dieser Roman weniger eine Geschichte erzählt als einen Zustand freilegt. „Alle glücklich“ hat mich nicht getröstet, aber wach gemacht. Und genau deshalb halte ich ihn für einen starken, nachhaltigen Text.
Was mich besonders beeindruckt hat, ist die Art, wie sich der Roman entfaltet. Die Autorin entspinnt ihn nicht frontal, nicht dramatisch im klassischen Sinn, sondern schichtweise. Mit jedem Perspektivwechsel - von Nina zu Alexander, von Ben zu Emilia - hatte ich das Gefühl, einen Raum weiter in dieses Haus der Familie vorzudringen. Türen öffnen sich, Lichter gehen an, und plötzlich sieht man Dinge, die vorher im Halbdunkel lagen. Die Erzählweise ist dabei von einer eigentümlichen Dynamik. Sie ist ruhig im Ton, aber unaufhaltsam in der Bewegung. Man merkt früh, dass hier etwas ins Rutschen gerät und liest unerbittlich weiter, ohne dass es ein Zurück gibt. Der Sog ließ mich das Buch in einem Ritt verschlingen.
Der Plot hat für mich etwas Wirbelndes. Nicht explosionsartig, sondern kreisend, verdichtend, beschleunigend wie ein Tornado, der sich aus lauter unscheinbaren Luftbewegungen formt. Kleine Gesten, Nebensätze, Gedanken, die zunächst belanglos wirken, gewinnen plötzlich Gewicht. Ich habe beim Lesen immer wieder innegehalten, weil mir auffiel, wie sehr sich die Atmosphäre verändert hatte, ohne dass ich genau sagen konnte, wann es passiert war. Es gibt keinen Kipppunkt, kein Jetzt, kein ab hier und doch befinde ich mich in einem Dramawirbelsturm.
Besonders nah gegangen sind mir die inneren Monologe. Ich hatte das Gefühl, nicht nur Figuren zu beobachten, sondern ihnen tatsächlich beim Denken zuzuhören. Manches hat mich irritiert, manches wütend gemacht, anderes wiederum tief berührt, vor allem, weil so vieles erschreckend vertraut klang. Dieses Schweigen in Familien über die wirklich tiefgehenden Fragen, das Nebeneinanderherleben im Alltag, diese gut gemeinten, aber ins Leere laufenden Versuche von Nähe. Das alles hat Kira Mohn mit einer Genauigkeit verarbeitet, die mir beim Leseerlebnis stellenweise unangenehm war. Ertappt.
Das Ende schließlich habe ich als konsequent, aber auch als sehr stark zugespitzt erlebt. Nach der sorgfältig aufgebauten Dramaturgie wirkte der finale Bruch beinahe unausweichlich, als logische Folge der zuvor entfesselten Dynamik. Und doch blieb bei mir das Gefühl, dass diese äußerste Eskalation vielleicht nicht zwingend notwendig gewesen wäre. Die psychologische Spannung war bereits so dicht, dass sie auch ohne diese Zuspitzung getragen hätte. Gerade weil der Roman zuvor so fein und leise gearbeitet ist, wirkt das Finale auf mich zugleich folgerichtig und ein wenig überakzentuiert.
Am Ende blieb ich nicht mit einem sauberen Abschluss zurück, sondern mit einem Nachhall. Mit Fragen. Mit dem Gefühl, dass dieser Roman weniger eine Geschichte erzählt als einen Zustand freilegt. „Alle glücklich“ hat mich nicht getröstet, aber wach gemacht. Und genau deshalb halte ich ihn für einen starken, nachhaltigen Text.