Wie geht es dir wirklich?

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lin8208 Avatar

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Der Schreibstil ist insgesamt sachlich, zugleich klar und flüssig gehalten. Bereits zu Beginn entsteht eine gewisse Spannung, die sich durch das gesamte Buch zieht.
Im Zentrum steht eine Familie, deren Leben nach außen hin unauffällig und harmonisch wirkt. Es zeigt ein scheinbar ganz normales Familienleben.
Die Handlung ist in Kapitel gegliedert, die abwechselnd die jeweiligem Perspektiven von Mutter, Vater, Tochter und Sohn einnehmen. Erzählt wird dabei in einer personalen Er-/Sie-Perspektive, wodurch Einblicke in die jeweiligen Gedankenwelten entstehen, jedoch ohne wirklich tief in die Figuren einzudringen.
Gerade dieses nach außen hin glückliche Familienleben wird dabei hinterfragt. Die Figuren beginnen - bewusst oder unbewusst - aus dem Bild der „Vorzeigefamilie“ auszubrechen. Dennoch bleibt vieles an der Oberfläche. Wirkliche Nähe oder intensives Verständnis füreinander entsteht kaum. Interaktion ergibt sich meist nur aus dem monotonen, sich ständig wiederholenden Alltag.
Dabei heben sind insbesondere der Wunsch nach (erfahrbarer) Liebe, Selbstbestimmung, Akzeptanz hervor - sei es im Freundeskreis oder in Beziehungen. Gleichzeitig zeigen sich allerlei Ausflüchte.
Die Familie lebt nebeneinander her, gefangen in Routinen, ohne echte Kommunikation. Gespräche bleiben oberflächlich, vieles wird verdrängt oder mit sich selbst ausgemacht.
Gegen Ende verdichten sich die zuvor unterschwelligen Konflikte, bis sie schließlich geballt aufbrechen. Die angestaute Spannung entlädt sich, und die Probleme holen alle ein. Trotz dieser Zuspitzung bleibt das Ende offen, wirkt jedoch auf eine gewisse Weise dennoch stimmig und zufriedenstellend.
Im Gesamten beleuchtet Kira Mohn den Lauf der Zeit innerhalb einer Familie, wie sie jeder kennen könnte, und zeichnet dabei ein zurückhaltendes, nüchternes Bild von Entwicklung und Distanz im familiären Zusammenleben.