Wirklich alle glücklich?

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jacky1304 Avatar

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Ein Buch, das erstmal relativ oberflächlich wirkt, aber viel mehr Tiefgang hat, als erwartet.

Auf den ersten Blick erhält man Einblicke in den Alltag einer ganz gewöhnlichen Familie: Mutter Nina, Vater Alex, Sohn Ben und Tochter Emilia.
Die Kapitel werden immer abwechselnd aus den Perspektiven der Familienmitglieder erzählt. Das hat mir wahnsinnig gut gefallen. Die Story überschneidet sich dadurch an manchen Punkten, man erfährt aber auch vieles, was man aus anderen Sichtweisen so nicht wahrgenommen hätte.
Der Schreibstil ist relativ einfach, hat mir für den Fortschritt in der Geschichte aber gut gefallen.

Anfangs bleibt die Story recht oberflächlich, wird dann aber immer tiefgründiger. Jedes Familienmitglied hat seine Probleme und verbirgt diese mehr oder weniger vor den anderen. Und wichtig zu wissen: hier gibt es das ein oder andere Thema, das triggern könnte. Da ich nicht spoilern möchte, gehe ich nicht weiter darauf ein. Leser*Innen, die auf sowas achten müssen/ möchten, sollten sich vorher informieren.

Die Charaktere haben mir allesamt gefallen. Kira Mohn schafft es jedem eine glaubwürdige Geschichte und Entwicklung zu verleihen. Besonders authentisch fand ich Ben, als augenscheinlich ruhigen, introvertierten Teenager, der besonders vom Vater oft unterschätzt wird. Aber auch Nina fand ich klasse. Ihre Rolle wird von der Familie meist nicht beachtet, ist aber für den Zusammenhalt essenziell.

Überrascht hat mich definitiv das Ende. Erst war ich mit dem Ausgang unzufrieden, aber nach längerem Nachdenken ist es perfekt gelöst.

Für mich ist „Alle glücklich“ schon das erste Jahreshighlight und bekommt 4,5 Sterne. Es wirkt vielleicht recht unscheinbar aufgrund von Cover und Klappentext, verdient aber jede Menge Aufmerksamkeit!