Scheidung als archäologische Ausgrabung
Schon der erste Satz – „Haus, ich verkaufe dich.“ – ist eine kleine literarische Irritation. Ein Haus wird angesprochen wie ein ehemaliger Geliebter, ein Komplize, beinahe wie ein Lebewesen mit wechselnden Stimmungen und eigenem Willen. Plötzlich stehen da keine Mauern mehr, sondern ein Gegenüber, das liebevoll, kritisch oder hochmütig schauen kann. Ich habe selten erlebt, dass ein Ort so beseelt und gleichzeitig so konkret wirkt.
Der Schreibstil ist dabei das eigentliche Ereignis. Eva Menase ist einfach gut!
Sie mäandert, schweift ab, beobachtet, denkt laut und schlägt unvermittelt Haken. Ein Maulwurfshügel wird zu einer Party der Natur, eine Clematis zur Federboa einer Tänzerin, und mitten in einer gescheiterten Ehe landet man plötzlich bei Leichenlarven und Tatortreinigern. Das klingt nach einem wilden Stilmix – und ist gerade deshalb so faszinierend. Die Sprache besitzt etwas Assoziatives, fast Essayistisches. Sie traut sich Abschweifungen zu und gewinnt gerade dadurch eine enorme Lebendigkeit.
Besonders beeindruckt hat mich der Tonfall. Die Autorin beschreibt Schmerz nie pathetisch. Stattdessen begegnet sie dem Zerbrechen einer Ehe mit einer eigentümlichen Mischung aus Präzision, Komik und Selbstironie. Das Bild des verwüsteten Hauses – die verstreuten Kinderklamotten, die umgefallenen Weinflaschen, die hinter den Kühlschrank beförderte Unterhose – ist gleichzeitig herzzerreißend und absurd komisch. Man lacht und erschrickt über sich selbst, weil einem dieses Lachen fast unangemessen vorkommt.
Und dann treten mit Alla und Bolek Figuren auf, die nach wenigen Sätzen bereits so plastisch sind, als würde man sie seit Jahren kennen. Die schwarzen Pumucklhaare, die Neonfingernägel, die „Zigarettchen“ und „Leiterchen“ – das sind keine Nebenfiguren, das sind Menschen, die mit voller Wucht die Seite betreten.
Vor allem aber wirkt der Beginn dieses Romans wie ein Versprechen: dass hier die die Geschichte einer Frau erzählt wird, die zwischen Scherben und Sprachwitz versucht, sich selbst neu zusammenzusetzen.
Toll & gelungen!
Der Schreibstil ist dabei das eigentliche Ereignis. Eva Menase ist einfach gut!
Sie mäandert, schweift ab, beobachtet, denkt laut und schlägt unvermittelt Haken. Ein Maulwurfshügel wird zu einer Party der Natur, eine Clematis zur Federboa einer Tänzerin, und mitten in einer gescheiterten Ehe landet man plötzlich bei Leichenlarven und Tatortreinigern. Das klingt nach einem wilden Stilmix – und ist gerade deshalb so faszinierend. Die Sprache besitzt etwas Assoziatives, fast Essayistisches. Sie traut sich Abschweifungen zu und gewinnt gerade dadurch eine enorme Lebendigkeit.
Besonders beeindruckt hat mich der Tonfall. Die Autorin beschreibt Schmerz nie pathetisch. Stattdessen begegnet sie dem Zerbrechen einer Ehe mit einer eigentümlichen Mischung aus Präzision, Komik und Selbstironie. Das Bild des verwüsteten Hauses – die verstreuten Kinderklamotten, die umgefallenen Weinflaschen, die hinter den Kühlschrank beförderte Unterhose – ist gleichzeitig herzzerreißend und absurd komisch. Man lacht und erschrickt über sich selbst, weil einem dieses Lachen fast unangemessen vorkommt.
Und dann treten mit Alla und Bolek Figuren auf, die nach wenigen Sätzen bereits so plastisch sind, als würde man sie seit Jahren kennen. Die schwarzen Pumucklhaare, die Neonfingernägel, die „Zigarettchen“ und „Leiterchen“ – das sind keine Nebenfiguren, das sind Menschen, die mit voller Wucht die Seite betreten.
Vor allem aber wirkt der Beginn dieses Romans wie ein Versprechen: dass hier die die Geschichte einer Frau erzählt wird, die zwischen Scherben und Sprachwitz versucht, sich selbst neu zusammenzusetzen.
Toll & gelungen!