Wenn Häuser Erinnerungen tragen und Loslassen nicht nur Abschied bedeutet
Schon auf den ersten Seiten hatte ich das Gefühl, hier nicht in einen klassischen Roman einzusteigen, sondern in ein Gespräch. Nicht mit einem Menschen, sondern mit einem Ort. Mit einem Haus. Und erstaunlicherweise wirkt das nicht künstlich oder verspielt, sondern sehr unmittelbar.
Die Erzählerin spricht das Haus direkt an, als wäre es Zeuge, Gegenüber, manchmal sogar Mitwisser. Dadurch entsteht sofort etwas sehr Persönliches. Dieses Haus ist kein Besitzstück, sondern ein Speicher. Für Ehe, Kinder, Trennungen, Arbeit, Lebensphasen, Erinnerungen. Und genau deshalb geht es von Anfang an nicht wirklich um Immobilien oder ums Verkaufen, sondern um die viel schwierigere Frage: Was macht man mit einem Ort, in dem so viel eigenes Leben steckt?
Besonders beeindruckt hat mich, wie Eva Menasse Alltägliches mit großer Genauigkeit beobachtet und gleichzeitig immer wieder in etwas Größeres kippen lässt. Da gibt es diese Szene mit dem Makler nach dem Ende der Ehe. Das verwüstete Haus, die verstreuten Dinge, die Aschenbecher, die Überreste eines gemeinsamen Lebens. Und plötzlich entsteht aus Scham, Überforderung und Traurigkeit etwas fast Komisches, das sofort wieder wehtut. Dieser Wechsel zwischen Schärfe, Selbstironie und Melancholie wirkt unglaublich lebendig.
Überhaupt scheint der Text kein Interesse daran zu haben, Gefühle sauber zu sortieren. Trauer und Wut stehen nebeneinander. Erinnerungen werden liebevoll betrachtet und gleichzeitig entlarvt. Das Haus erscheint manchmal wie ein Verbündeter und manchmal wie etwas, das zurückschaut und Fragen stellt.
Sehr berührend fand ich auch den Abschnitt mit Alla und Bolek. Was zunächst wie eine pragmatische Geschichte über Gartenarbeit beginnt, entwickelt sich zu etwas ganz anderem. Zwei Menschen, die selbst Biografien, Härten und Brüche mitbringen, helfen nicht nur dabei, ein Grundstück freizulegen, sondern auch einen Blick auf den eigenen Wert zurückzugewinnen. Dass am Ende ausgerechnet sie der Erzählerin zeigen, warum dieses Haus mehr ist als Ballast, hat etwas sehr Schönes und Unaufdringliches.
Dabei mochte ich besonders, dass der Text nie sentimental wird. Er erlaubt sich Witz. Er beobachtet Menschen genau. Er lässt Eigenheiten stehen. Alla mit ihrer Sprache, Bolek mit seiner ruhigen Präsenz, die Erzählerin mit ihren Abschweifungen und ihren gedanklichen Sprüngen. Alles wirkt sehr menschlich und nie geschniegelt.
Sprachlich hat mich die Leseprobe ohnehin sofort abgeholt. Die Sätze sind reich, manchmal ausschweifend, aber nie beliebig. Es gibt Bilder, die überraschen und gleichzeitig genau treffen. Das Haus als Gegenüber. Die Natur, die sich alles zurückholt. Die Erinnerung, die plötzlich in einer Rose steckt, die jahrelang übersehen wurde.
Nach diesen Seiten bleibt bei mir vor allem ein Gefühl zurück: dass Orte manchmal mehr über uns wissen als wir selbst. Und dass Loslassen nicht immer bedeutet, etwas nicht mehr zu lieben.
Ein Romananfang, der nicht laut um Aufmerksamkeit bittet, sondern einen langsam hineinzieht und dabei erstaunlich viel über Verlust, Besitz, Herkunft und die seltsamen Wege erzählt, auf denen Menschen wieder bei sich selbst ankommen.
Die Erzählerin spricht das Haus direkt an, als wäre es Zeuge, Gegenüber, manchmal sogar Mitwisser. Dadurch entsteht sofort etwas sehr Persönliches. Dieses Haus ist kein Besitzstück, sondern ein Speicher. Für Ehe, Kinder, Trennungen, Arbeit, Lebensphasen, Erinnerungen. Und genau deshalb geht es von Anfang an nicht wirklich um Immobilien oder ums Verkaufen, sondern um die viel schwierigere Frage: Was macht man mit einem Ort, in dem so viel eigenes Leben steckt?
Besonders beeindruckt hat mich, wie Eva Menasse Alltägliches mit großer Genauigkeit beobachtet und gleichzeitig immer wieder in etwas Größeres kippen lässt. Da gibt es diese Szene mit dem Makler nach dem Ende der Ehe. Das verwüstete Haus, die verstreuten Dinge, die Aschenbecher, die Überreste eines gemeinsamen Lebens. Und plötzlich entsteht aus Scham, Überforderung und Traurigkeit etwas fast Komisches, das sofort wieder wehtut. Dieser Wechsel zwischen Schärfe, Selbstironie und Melancholie wirkt unglaublich lebendig.
Überhaupt scheint der Text kein Interesse daran zu haben, Gefühle sauber zu sortieren. Trauer und Wut stehen nebeneinander. Erinnerungen werden liebevoll betrachtet und gleichzeitig entlarvt. Das Haus erscheint manchmal wie ein Verbündeter und manchmal wie etwas, das zurückschaut und Fragen stellt.
Sehr berührend fand ich auch den Abschnitt mit Alla und Bolek. Was zunächst wie eine pragmatische Geschichte über Gartenarbeit beginnt, entwickelt sich zu etwas ganz anderem. Zwei Menschen, die selbst Biografien, Härten und Brüche mitbringen, helfen nicht nur dabei, ein Grundstück freizulegen, sondern auch einen Blick auf den eigenen Wert zurückzugewinnen. Dass am Ende ausgerechnet sie der Erzählerin zeigen, warum dieses Haus mehr ist als Ballast, hat etwas sehr Schönes und Unaufdringliches.
Dabei mochte ich besonders, dass der Text nie sentimental wird. Er erlaubt sich Witz. Er beobachtet Menschen genau. Er lässt Eigenheiten stehen. Alla mit ihrer Sprache, Bolek mit seiner ruhigen Präsenz, die Erzählerin mit ihren Abschweifungen und ihren gedanklichen Sprüngen. Alles wirkt sehr menschlich und nie geschniegelt.
Sprachlich hat mich die Leseprobe ohnehin sofort abgeholt. Die Sätze sind reich, manchmal ausschweifend, aber nie beliebig. Es gibt Bilder, die überraschen und gleichzeitig genau treffen. Das Haus als Gegenüber. Die Natur, die sich alles zurückholt. Die Erinnerung, die plötzlich in einer Rose steckt, die jahrelang übersehen wurde.
Nach diesen Seiten bleibt bei mir vor allem ein Gefühl zurück: dass Orte manchmal mehr über uns wissen als wir selbst. Und dass Loslassen nicht immer bedeutet, etwas nicht mehr zu lieben.
Ein Romananfang, der nicht laut um Aufmerksamkeit bittet, sondern einen langsam hineinzieht und dabei erstaunlich viel über Verlust, Besitz, Herkunft und die seltsamen Wege erzählt, auf denen Menschen wieder bei sich selbst ankommen.