Zwischen Bohlen und Befreiung

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Die Leseprobe von „Alleinruhelage“ wirkt wie ein stiller Moment des Durchatmens nach einem großen Bruch. Die Erzählerin steht plötzlich allein vor dem Wochenendhaus, das früher Familienidylle war – und genau diese Mischung aus Wehmut und vorsichtigem Aufbruch hat mich sofort berührt.

Besonders lebendig erscheinen Alla und Bolek, zwei polnische Kettenraucher, die mit ihrer rauen Herzlichkeit und ihrem Improvisationstalent frischen Wind in die verstaubten Räume bringen. Zwischen geplatzten Leitungen, Renovierungschaos und den spitzen Bemerkungen der Schrebergärtner entfaltet sich ein feiner Humor, der nie laut, aber sehr menschlich ist.

Gleichzeitig spürt man, wie die Erzählerin als Wienerin in Ostdeutschland die deutsch-deutschen Bruchlinien neu wahrnimmt – leise, beobachtend, ohne zu urteilen.

Der Entschluss, das Haus schließlich zu verkaufen, wirkt nicht traurig, sondern wie ein mutiger Schritt in ein Leben, das wieder leichter werden darf. Die Leseprobe macht neugierig auf diesen Weg.