Anekdoten aus einem Leben

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krokussine.liest Avatar

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Dieses Haus in der Alleinruhelage im Wald, direkt an einem See in der ostdeutschen Provinz. Zu DDR Zeiten ein Waldschänke, danach mehr oder weniger verwaist bis eine Familie aus dem Westen es ein paar Jahre nach der Wende kaufte und zu ihrem Wochenenddomizil herrichten wollte.

Die Ich-Erzählerin ohne Namen erzählt in der Geschichte Anekdoten aus ihrem vergangenen (Familien)leben, aus der Vergangenheit des Hauses und über das Zusammentreffen mit ihren Nachbarn aus der Datschensiedlung, dabei wird das Haus zu einer stillen Zuhörerin. In der Siedlung und seinen Bewohner*innen hängt noch viel aus DDR Zeiten nach. Da prallen irgendwo zwei Welten, zwei Vergangenheiten und zwei teils völlig andere Vorstellungen zusammen, was es nicht einfach macht, einen gemeinsamen Konsens zu finden. Lustigerweise gelingt aber genau das mit Paul Woitek, einer ehemaligen «roten Socke».

Die Erzählerin steht an einem Wendepunkt in ihrem Leben, sie will das Haus verkaufen, will sich neu orientieren nachdem die Kinder erwachsen sind und ihre Ehe nicht mehr existiert. Die Erzählungen hatten für mich teils einen melancholischen, auch etwas unzufriedenen Touch, was nicht negativ ist, sondern realistisch. Meine stillen Helden im Buch waren Alla und Bolek, ein osteuropäisches Paar, das die Renovation des Hauses vor dem Verkauf übernimmt. Sie werden mit viel Witz und herrlichen Klischees beschrieben, was mich immer wieder zum Schmunzeln brachte und die ganze Geschichte etwas auflockerte.

Für mich war es ein Buch, welches ich ein bisschen langsamer lesen musste um wirklich alles zu verstehen, der Schreibstil ist nicht ganz einfach, passt aber gut zur Geschichte. Es ist eine Geschichte über Abschiede, über Rückblicke, über die Kluft zwischen Ost und West, Zugehörigkeit und Wendepunkte im Leben, ob gewollte oder ungewollte. Nachhallen werden mir ganz bestimmt die Erzählungen über die Diskrepanz zwischen Ost- und Westmenschen nach der Wende. Auch wenn der Schreibstil gewöhnungsbedürftig und nicht so meins ist, ist es ein Buch, das in mir nachhallt.