Bilanz ziehen, Abschied und Neuanfang

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federfee Avatar

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“Haus, ich verkaufe dich” - mit diesem vielsagenden Satz beginnt Menasses Buch, das für mich eine Mischung verschiedener Textsorten ist: eine autobiografisch angehauchte Ehe- und Familiengeschichte mit viel Zeitkolorit und gesellschaftskritischem Unterton, mit klugen, philosophisch anmutenden Gedanken.
Man darf allerdings keine klassische Romanhandlung oder gar Spannung erwarten, denn es geht hier um anderes: eine Frau hält Rückschau auf Phasen ihres Lebens, zieht Bilanz, um abschließen und neu anfangen zu können.

Die Ich-Erzählerin verbindet mit ihrem Sommerhaus im Vorpommerschen viele Erinnerungen, weshalb sie es auch personifiziert und persönlich anspricht: ‘Du, mein Haus… (156). Es ist Zeuge und könnte viel erzählen: erste glückliche Jahre mit den Kindern einer Patchworkfamilie, Pläne und Projekte in Haus und Garten. ‘Erste Jahre Kinder klein, die Liebe groß’ (45).

Doch dann scheitert die Ehe, ein erster Verkaufsversuch auch, es gibt einen Neustart mit dem renovierten Haus und einem Liebhaber, den sie ‘Habibi’ nennt, aber auch das nimmt kein gutes Ende. Parallel dazu - vielleicht metaphorisch zu sehen - gibt es Probleme mit der Wasserversorgung, der anfangs so idyllische See ‘kippt um’, wird zur ‘faulenden Brühe’ (101), was alles nach dem ‘Ende von etwas’ klingt.

Der endgültige Verkauf des Hauses ist eine Befreiung, denn durch die assoziativen Erinnerungen der Ich-Erzählerin sehen wir, wie sehr es mit Vergangenem aufgeladen ist. Nur durch die Aufgabe dieses Domizils kann sie sich befreien, um zu Neuem aufzubrechen, um ‘Bewegung in die neue stabile Alleinruhelage zu bringen’, wie sie am Ende schreibt.

Gefallen hat mir die humorvolle Episode mit dem moldawisch-polnischen Paar Alla und Bolek, die mit viel Fleiß, Liebe und handwerklichem Können eine Renovierung des Hauses und eine paradiesische Umgestaltung des Gartens vornehmen. Bei ihrer Kommunikation mit der Ich-Erzählerin ‘sägen sie sich die Sprache zurecht’: “So eine Haus kaufst du nur einmal in Läbben.’ (20).

Gefallen hat mir auch der zeitgeschichtliche Hintergrund, der Blick einer Österreicherin auf die ost- und westdeutschen Befindlichkeiten und Animositäten, die sie mit der Beschreibung einer Datschensiedlung und ihrer Bewohner verdeutlicht, die Spannungen zwischen Alteingesessenen und neu Hinzugezogenen.

Nicht überzeugt hat mich manchmal die allzu ausführliche Schilderung von Problematiken rund ums Haus (Rohr- und Wasserprobleme) oder andere Rückblicke, die nicht sonderlich packend zu lesen waren. Auch wurde allzu vieles angedeutet, aber nicht weiter ausgeführt. Man mag einwänden, vieles sei zu privat, aber dann sollte man vielleicht das ein oder andere gar nicht erst erwähnen.

Gefallen haben mir wiederum die überall eingestreuten gesellschaftskritischen Gedankensplitter wie z.B. ‘Niemand fühlte sich für irgendetwas verantwortlich, aber alle ballten immerzu die Hand in der Tasche.’ (126) oder auch ihre klugen Gedanken zum Unterschied ‘Glück/Zufriedenheit’ (30, 53), zum Schreiben (81) oder zu Freundschaften und dem Lesen:

‘Und daher sind Freundschaften wohl ein bisschen wie menschliche Lektüren. Alles, was man je gelesen hat, umgibt und prägt einen, auch das, was einem nicht gefallen, was man vergessen, nicht verstanden oder weggelegt hat.’ (170)

Fazit
Ein ruhiges Buch von literarischer Qualität, mal interessant, mal ein bisschen langweilig, mal nachdenkenswert - die Lebensbilanz einer jetzt alleinstehenden Frau, ihre Erinnerungen und ein geplanter Neuanfang.