Bleibt hinter meinen Erwartungen zurück
"Damals galt eisern der Grundsatz Rückgabe vor Entschädigung, der der Bundesrepublik an einer Stelle Geld und Umstände sparte, an der sie, von den späteren Verwerfungen her betrachtet, besser mit beidem geprasst hätte."
Um Grundstück in den sogenannten neuen Bundesländern geht es oft in Eva Menasses neuem Roman "Alleinruhelage". Das Buch der Wienerin, das bereits vor Erscheinen auf der Longlist des deutschen Buchpreises erschienen ist, stellt ein Haus in den Mittelpunkt. Oder besser gesagt die Beziehung der Bewohnerin zu ihrer Zweitimmobilie. Eine Wienerin zieht nach Deutschland und kauft gemeinsam mit dem (damaligen) Ehemann ein Haus in Mecklenburg. Als Zugezogene, dazu noch aus dem Westen, stehen ihnen die Altansässigen eher kritisch gegenüber. Mit dem Platzwart der Gartenkollonie, Selbstbezeichnung Rote Socke, verstehen sie sich aber gut. Das bringt ihnen immerhin eine gewisse Akzeptanz ein. Die Nachwendejahre sind zu Beginn des Romans aber schon lange vorbei. Die Ehe ist geschieden, das Haus hat keinen Nutzen mehr für die darin lebende Schriftstellerin und so soll es verkauft werden. Gleichsam einem letzten Rundgang erinnert sich die Schriftstellerin nun an die Zeiten, die sie in dieser ehemaligen Waldschänke verbracht hat - vom Erwerb bis hin zum endgültigen Verkauf.
Der Klappentext von Alleinruhelage liest sich vielversprechend. Auch die Themen, die der Roman behandelt, sind hoch aktuell. Geht es doch um nicht weniger als die Frage, wie sich der Osten entwickelt hat. Damit verbunden sind viele kluge Einsichten, die sich zwischen den Erinnerungen der Frau verbergen, und als Kommentar zur aktuellen politische Situation verstanden werden können. Auch die Idee, die Beziehung zu einem Haus ins Zentrum einer Erzählung zu stellen, ist innovativ. Allerdings gehen damit auch Abstriche einher. So werden viele, viele Lebensgeschichten nur angerissen. Da es ja (auch) um Erinnerungen der Protagonistin geht, wird natürlich wenig Kontext erklärt. So tauchen Figuren auf, Episoden in der Zukunft angerissen, aber nicht vollendet usw. Das sorgt dafür, dass fast alle Figuren im Leben der Frau blass bleiben. Ihre Geschichten werden nicht nur nicht zu Ende erzählt, sondern geradezu fragmentarisch herausgerissen. Wann es nur um Namen geht, die am Rand erwähnt werden, mag das weniger dramatisch sein. Bei engen Bezugspersonen hat es mich aber doch gestört. Warum lese ich seitenweise über die Geschichte einer Nymphenstatue, aber kaum etwas über die Tochter, die offensichtlich unter psychischen Störungen leidet?
Mir hat "Alleinruhelage" aufgrund der vielen losen Erzählfäden weniger gut gefallen.
Um Grundstück in den sogenannten neuen Bundesländern geht es oft in Eva Menasses neuem Roman "Alleinruhelage". Das Buch der Wienerin, das bereits vor Erscheinen auf der Longlist des deutschen Buchpreises erschienen ist, stellt ein Haus in den Mittelpunkt. Oder besser gesagt die Beziehung der Bewohnerin zu ihrer Zweitimmobilie. Eine Wienerin zieht nach Deutschland und kauft gemeinsam mit dem (damaligen) Ehemann ein Haus in Mecklenburg. Als Zugezogene, dazu noch aus dem Westen, stehen ihnen die Altansässigen eher kritisch gegenüber. Mit dem Platzwart der Gartenkollonie, Selbstbezeichnung Rote Socke, verstehen sie sich aber gut. Das bringt ihnen immerhin eine gewisse Akzeptanz ein. Die Nachwendejahre sind zu Beginn des Romans aber schon lange vorbei. Die Ehe ist geschieden, das Haus hat keinen Nutzen mehr für die darin lebende Schriftstellerin und so soll es verkauft werden. Gleichsam einem letzten Rundgang erinnert sich die Schriftstellerin nun an die Zeiten, die sie in dieser ehemaligen Waldschänke verbracht hat - vom Erwerb bis hin zum endgültigen Verkauf.
Der Klappentext von Alleinruhelage liest sich vielversprechend. Auch die Themen, die der Roman behandelt, sind hoch aktuell. Geht es doch um nicht weniger als die Frage, wie sich der Osten entwickelt hat. Damit verbunden sind viele kluge Einsichten, die sich zwischen den Erinnerungen der Frau verbergen, und als Kommentar zur aktuellen politische Situation verstanden werden können. Auch die Idee, die Beziehung zu einem Haus ins Zentrum einer Erzählung zu stellen, ist innovativ. Allerdings gehen damit auch Abstriche einher. So werden viele, viele Lebensgeschichten nur angerissen. Da es ja (auch) um Erinnerungen der Protagonistin geht, wird natürlich wenig Kontext erklärt. So tauchen Figuren auf, Episoden in der Zukunft angerissen, aber nicht vollendet usw. Das sorgt dafür, dass fast alle Figuren im Leben der Frau blass bleiben. Ihre Geschichten werden nicht nur nicht zu Ende erzählt, sondern geradezu fragmentarisch herausgerissen. Wann es nur um Namen geht, die am Rand erwähnt werden, mag das weniger dramatisch sein. Bei engen Bezugspersonen hat es mich aber doch gestört. Warum lese ich seitenweise über die Geschichte einer Nymphenstatue, aber kaum etwas über die Tochter, die offensichtlich unter psychischen Störungen leidet?
Mir hat "Alleinruhelage" aufgrund der vielen losen Erzählfäden weniger gut gefallen.