Durchschnitt mit Stil...
Durchschnitt mit Stil... Inhaltlich lässt Eva Menasses neuer Roman "Alleinruhelage" einige Wünsche offen - ihr Schreibstil wiederum ist eine wahre Glanztat. Aber für einen richtig guten Roman muss man auch etwas zu erzählen haben. Und genau das ist das Problem. Eva Menasse betont zwar, "Alleinruhelage" sei keinesfalls autofiktional, das Buch liest sich aber ziemlich autofiktional. Menasses Erzählweise ist wie ein Geschichtenerzählen im Freundeskreis; einiges wird angedeutet, aber nicht zuende erzählt; ein Freundeskreis wüsste da Bescheid... nicht aber die Leser*innen. Der Rahmen der Geschichte ist gut gewählt und beinhaltet eine Menge Erzählchancen - "Haus, ich verkaufe dich."... das in der Nachwendezeit erworbene Wochenendhaus in den neuen Bundesländern. Und die ca. zwanzig Jahre, die dazwischenliegen, vom Familienparadies bis hin zum Alleinwohnen; die Gegend und ihre Bewohner*innen mit all ihren Eigenarten; der Reflexionsraum, der sich auftut, wenn ein Haus verlassen wird... Kindheit, Verwandschaft, der Ehemann; das 'Sich wieder neu verlieben' bis auch das wieder hineinmündet in "die Frauen werden zu Müttern ihrer Männer, die wilde Kinder bleiben dürfen." Wunderbar geschrieben, aber leider eine Handlung, die nicht trägt...