ein Ferienhaus als Zeitzeuge
Ein Ferienhaus, oder besser gesagt ein Zweitwohnsitz in Vorpommern in den Neuen Bundesländern, idyllisch gelegen im Wald am See, im Landschaftsschutzgebiet, erworben nach der Wende von einer Österreicherin, die schon lange in Westberlin lebt: Das ist der Ausgangspunkt des neuen Romans der österreichischen Schriftstellerin Eva Menasse.
Die Ich-Erzählerin lebt seit langem in der Großstadt in Westberlin und sehnt sich nach Wohneigentum, einem Haus in der Natur, in ruhiger Lage, wo sie mit zwei Kindern und Ehemann zur Ruhe vom Großstadtstress kommen kann. So erwirbt sie ein heruntergekommenes Haus, eine ehemalige Kneipe, die "Waldschänke", und renoviert das Haus nebst großem Garten zu einem Wohnhaus.
Zwei Jahrzehnte wird die Ich-Erzählerin hier Wochenenden und Ferien verbringen. Ein Jahrzehnt mit Ehemann und einem weiteren Kind, ein Jahrzehnt allein. In Rückblicken wird die Zeit des Herrichtens des Hauses mit Ehemann und zwei Kindern, mit neugeborenem dritten Kind, aber auch die Kindheit der Erzählerin in Österreich und die Jahre nach der Trennung vom Ehemann aufgerollt. Es ist ein ruhiger Roman, eine Rückschau auf ein Leben, das sich in für die Erzählerin wichtigen Phasen ihres Lebens im Haus in Vorpommern abgespielt hat.
Der Schreibstil von Eva Menasse hat mir schon immer gefallen und gefällt mir auch in diesem Roman wieder. Er ist humorvoll, warmherzig und fängt die besondere Atmosphäre zwischen Menschen in heiklen und auch alltäglichen Situationen gekonnt ein. Als Beispiel seien das sich entfernende Auto mit Ehemann und der auf dem Beifahrersitz sitzenden und bleich wirkenden "spitznasigen" pubertierenden Tochter, die Verbundenheit zu Onkel Walter und Tante "Hupsi" in Niederösterreich, die Szenen mit dem "Senioren Beau" Paul und die on-off Beziehung zum neuen Partner genannt.
Es ist eine Stärke der Autorin, den jeweiligen sogenannten Zeitgeist abzubilden. Den Wunsch nach Ruhe und Abgeschiedenheit der Großstädter, die in der Nachwendezeit zwar auf ein Idyll treffen, aber erkennen müssen, dass das Haus nicht für sich allein steht, sondern mit der Geschichte der Region und ihren Bewohnern verbunden ist.
So nehmen die Erfahrungen der Hinzugezogenen mit den einheimischen Bewohnern Ostdeutschlands großen Raum im Roman ein, was ich in dieser Ausführlichkeit nicht erwartet habe. Sehr schön herausgearbeitet sind hier die Begegnungen und Probleme mit den Datschenbewohnern am See, die Atmosphäre der Sommerfeste mit den so ganz anderen Freunden aus dem sogenannten Bildungsbürgertum aus dem Westen, die Versuche, die Natur zu bändigen, etwa mit der Beseitungsaktion des Schilfs oder den spießigen Versuchen, dem Wald einen grünen Rasen abzutrotzen.
Was mir nicht gefallen hat, war eine Prise zu viel Politisierung, wie etwa der Abschnitt über die in den DDR-Alltag "ausgewilderten" RAF Terroristen. Das mag interessant sein, passte aber m. E. nicht zur Rückschau auf ein Leben, in dem ein Sommerhaus eine tragende Rolle spielt. Zu gewollt erscheint mir insofern die Einflechtung der deutsch-deutschen Vergangenheit der Nachwendezeit mit den persönlichen Erfahrungen der Ich-Erzählerin.
Alles in allem aber ein lesenswerter Roman, dem ich vier Sterne gebe.
Die Ich-Erzählerin lebt seit langem in der Großstadt in Westberlin und sehnt sich nach Wohneigentum, einem Haus in der Natur, in ruhiger Lage, wo sie mit zwei Kindern und Ehemann zur Ruhe vom Großstadtstress kommen kann. So erwirbt sie ein heruntergekommenes Haus, eine ehemalige Kneipe, die "Waldschänke", und renoviert das Haus nebst großem Garten zu einem Wohnhaus.
Zwei Jahrzehnte wird die Ich-Erzählerin hier Wochenenden und Ferien verbringen. Ein Jahrzehnt mit Ehemann und einem weiteren Kind, ein Jahrzehnt allein. In Rückblicken wird die Zeit des Herrichtens des Hauses mit Ehemann und zwei Kindern, mit neugeborenem dritten Kind, aber auch die Kindheit der Erzählerin in Österreich und die Jahre nach der Trennung vom Ehemann aufgerollt. Es ist ein ruhiger Roman, eine Rückschau auf ein Leben, das sich in für die Erzählerin wichtigen Phasen ihres Lebens im Haus in Vorpommern abgespielt hat.
Der Schreibstil von Eva Menasse hat mir schon immer gefallen und gefällt mir auch in diesem Roman wieder. Er ist humorvoll, warmherzig und fängt die besondere Atmosphäre zwischen Menschen in heiklen und auch alltäglichen Situationen gekonnt ein. Als Beispiel seien das sich entfernende Auto mit Ehemann und der auf dem Beifahrersitz sitzenden und bleich wirkenden "spitznasigen" pubertierenden Tochter, die Verbundenheit zu Onkel Walter und Tante "Hupsi" in Niederösterreich, die Szenen mit dem "Senioren Beau" Paul und die on-off Beziehung zum neuen Partner genannt.
Es ist eine Stärke der Autorin, den jeweiligen sogenannten Zeitgeist abzubilden. Den Wunsch nach Ruhe und Abgeschiedenheit der Großstädter, die in der Nachwendezeit zwar auf ein Idyll treffen, aber erkennen müssen, dass das Haus nicht für sich allein steht, sondern mit der Geschichte der Region und ihren Bewohnern verbunden ist.
So nehmen die Erfahrungen der Hinzugezogenen mit den einheimischen Bewohnern Ostdeutschlands großen Raum im Roman ein, was ich in dieser Ausführlichkeit nicht erwartet habe. Sehr schön herausgearbeitet sind hier die Begegnungen und Probleme mit den Datschenbewohnern am See, die Atmosphäre der Sommerfeste mit den so ganz anderen Freunden aus dem sogenannten Bildungsbürgertum aus dem Westen, die Versuche, die Natur zu bändigen, etwa mit der Beseitungsaktion des Schilfs oder den spießigen Versuchen, dem Wald einen grünen Rasen abzutrotzen.
Was mir nicht gefallen hat, war eine Prise zu viel Politisierung, wie etwa der Abschnitt über die in den DDR-Alltag "ausgewilderten" RAF Terroristen. Das mag interessant sein, passte aber m. E. nicht zur Rückschau auf ein Leben, in dem ein Sommerhaus eine tragende Rolle spielt. Zu gewollt erscheint mir insofern die Einflechtung der deutsch-deutschen Vergangenheit der Nachwendezeit mit den persönlichen Erfahrungen der Ich-Erzählerin.
Alles in allem aber ein lesenswerter Roman, dem ich vier Sterne gebe.