Ein Haus mit Eigenleben
Den bevorstehenden Verkauf ihres in der Nachwendezeit erworbenen Wochenendhauses an einem See im Brandenburgischen nahe der polnischen Grenze und das Abschiednehmen von ihm etwa 20 Jahre später nimmt die Ich-Erzählerin zum Anlass, die Geschichte ihrer Familie zu erzählen, die viel Zeit in diesem Haus verbracht hatte. Das geschieht in Fragmenten, chronologisch nicht streng geordnet. Daher lassen mich einige Punkte etwas verwirrt zurück, insbesondere was die verschiedenen Männerbeziehungen der Erzählerin anbelangt. Die Lektüre habe ich lange Zeit so verstanden, dass sie nach dem Scheitern ihrer zweiten Ehe das Haus verkaufen wollte. Dann jedoch wurde unversehens ein von ihr mit Habibi angesprochener Mann eingeführt, von dem ich annahm, er sei dieser zweite Ex-Mann. Allerdings dürfte es sich bei diesem Mann um den nächsten Lebenspartner handeln, der sie geghostet hat. Auf den Vater ihres ersten Kindes wird gar nicht eingegangen. Im Übrigen ist ihre Lebensgeschichte sehr interessant, vor allem ihre Herkunft aus Wien, die es ihr erlaubt, das Verhältnis der ostdeutschen Nachbarn zu den zugereisten Wessis aus der Sicht eines neutralen Dritten darzustellen. Hier lässt die Autorin immer wieder drollige Anekdoten die Bewohner der ehemaligen Datschensiedlung betreffend einfließen. Spaßig sind auch die Passagen über die zwei polnischen bzw. moldawischen Helfer. Diese bleiben allerdings Randfiguren, so dass ich meine, sie hätten im Klappentext nicht unbedingt erwähnt werden müssen.
Das Buch empfehle ich Lesenden von Familiengeschichten mit Interesse an der DDR-Geschichte.
Das Buch empfehle ich Lesenden von Familiengeschichten mit Interesse an der DDR-Geschichte.