Ein Haus und seine Geschichte

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bookworld91 Avatar

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Es gibt viele historisch bedeutsame Häuser, die von Touristen aufgesucht werden. Doch was ist mit den normalen Häusern? Den Ferienhäusern, Wohnhäusern, Appartmenthäusern? Welche Geschichte haben diese zu berichten? In „Alleinruhelage“ setzt sich eine Frau mit ihrem Haus auseinander.

Der Roman beginnt mit „Haus, ich verkaufe dich“, ausgesprochen von einer namenlosen Protagonistin, deren Leben eine Wende nimmt: die zweite Ehe ist geschieden, die Kinder sind außer Haus und sie muss sich nun allein darum kümmern, dass das Ferienhaus verkauft wird. Hilfe findet sie von zwei polnischen Gastarbeitern namens Alla und Bollek. Und alle bringen ihre eigenen Gedanken und Erinnerungen ein…
Eva Menasse nimmt ihre Leser mit auf eine emotionale Reise zu einem Haus. Die direkte Ansprache des Hauses zeigt, worauf der Fokus liegt: die Beziehung der Erzählerin zum Ferienhaus. Auch der Rest des Buches ist geprägt von Emotionen, Monologen der Erzählerin und zahlreichen Erinnerungen. Dabei rückt das Haus passiv in den Vordergrund: immer wieder geht es darum, WAS in dem Haus passiert war. Dabei bleibt Menasse ihrem Schreibstil durchweg treu.
Die Idee des Hauses als eigener Charakter finde ich spannend. Oft erzählen Häuser und Orte ihre eigenen Geschichten. Hier kann das Haus durch die Erzählerin berichten, was vorgefallen ist und wie das Leben Spuren im Gemäuer und in den Räumen hinterlassen hat. Das finde ich interessant zu beobachten. In gewisser Weise wirft das Haus der Erzählerin die Fragmente zu, damit diese ihre Geschichte mitteilen kann. Was für eine gelungene Idee für einen Roman.
Leider ist die Umsetzung nicht vollends gelungen. Statt einer tiefgehenden Geschichte über eine geringe Anzahl an Erinnerungen reihen sich die zahlreichen Sequenzen wie lose Mosaikstücke aneinander. Das finde ich vor allem im Hinblick auf den roten Faden, der sich durch ein Leben zieht, schade. Manchmal fehlen Zusammenhänge, manchmal sind es tiefgründige Informationen- insgesamt kann ich nicht alles zu 100% nachvollziehen und hätte mir mehr Tiefe und Verbindungen zwischen den einzelnen Erinnerungen gewünscht. Eine weitere Idee wäre auch die Darstellung der Gedanken von Alla und Bolek zum Thema Häuser gewesen. Was bedeuten Häuser in Polen? Wie gehen sie mit Erinnerungen der Häuser um?

Insgesamt gebe ich den Roman vier Sterne. Es ist eine interessante Idee und sehr gut geschrieben, aber die fehlende Tiefe macht sich im Verlauf der Geschichte bemerkbar. Dennoch empfehle ich das Buch jeden, der sich für (fiktive) Familiengeschichten oder besondere Charaktere, wie Häuser, begeistern kann.