Ein Haus voller Erinnerungen
Da ist dieses Haus in Brandenburg, indem die Frau so viele Erinnerungen erzeugt hatte; das jahrzehntelang Teil von ihr war - und von diesem verabschiedet sie sich nun. Ungewöhnlich: sie spricht es mit "du" an. Ebenso ungewöhnlich: wir erfahren viel Erlebtes, aber nur wenig Persönliches. Doch die Geschichten, die von Begegnungen und Alltäglichem leben, sind fein ausgewählt, kurzweilig und sagen durchaus etwas über verschiedene Mentalitäten aus.
Eva Menasses Schreibstil ist sehr einnehmend, davon konnte ich mich in "Alleinruhelage" überzeugen. Sie weiß es, starke Bilder zu erzeugen, würzt diese mit einer Priese Humor und lässt auch ein wenig ihre österreichische Herkunft einfließen. Vor allem aber portraitiert sie einzelne Persönlichkeiten, die fast jede*r von uns in der ein oder anderen Art kennt: da ist das polnisch-moldawische Paar, das fleißig bei allem rund ums Haus hilft, mehr oder minder zuverlässig, aber engagiert und durchaus schlagfertig (z.B. wenn es um fremdenfeindliche Aussagen geht). Da ist der Nachbar aus der Datschensiedlung, mit dem man sich gut stellen muss, eigentlich ein Unleidlicher, der Chef sein möchte, es aber auch weiß zu vereinen und eine nicht sonderlich lautere DDR-Vergangenheit hat. Und da ist die Erzählerin, die detailliert und stimmig die Natur rund um das Ferienhäuschen mit Alleinruhelage beschreibt, uns kurze Einblicke in liebgewonnene Traditionen zu geben, so etwa eine regelmäßige Freundesfeier, die sich im Laufe der Zeit verständlicherweise ändert und mit Verkauf des Hauses endgültig ein Ende nimmt, und uns auch in ihre eigene Gedankenwelt mitnimmt, die von Freude, Sorgen, Anfängen und Enden geprägt sind.
Erzählt wird nicht etwa chronologisch, sondern so, wie die Gedanken sprießen, was zur Folge hatte, dass das Folgen nicht immer einfach ist. Aber da das Geschriebene wirkt wie ein lockeres Geplauder, ist das nicht weiter schlimm. Jedenfalls wirkt es authentisch, die Höhen und Tiefen, die vor allem in Konflikten mit den pikierten Nachbar*innen oder mit Schrebergartenproblemen spürbar sind, aber auch in einer nicht erfüllenden Liebesbeziehung, schwingen durch die locker-flockige Erzählweise wie ein springender Gummiball, den man nicht allzu ernst nehmen kann. Man spürt im Erzählten die österreichische Gelassenheit und die hervorragende Beobachtungsweise der Autorin.
"Alleinruhelage" wird als Roman betitelt, auch wenn es für mich eher ein autofiktionales Erlebnispotpourri ist, ohne, dass uns die Autorin zu viel über ihr Leben verrät. Ich habe es als sehr innovative Idee empfunden, Erinnerungen festzuhalten, die an ein Haus geknüpft sind, bei dessen Abschied peu á peu das Erlebte wieder auf ploppt. Es ist ein Buch, bei dem ich mich aufgrund der fantastischen Beobachtungsgabe der Autorin sehr wohl gefühlt habe, auch wenn es keinen enormen Sog erzeugt hat.
Eva Menasses Schreibstil ist sehr einnehmend, davon konnte ich mich in "Alleinruhelage" überzeugen. Sie weiß es, starke Bilder zu erzeugen, würzt diese mit einer Priese Humor und lässt auch ein wenig ihre österreichische Herkunft einfließen. Vor allem aber portraitiert sie einzelne Persönlichkeiten, die fast jede*r von uns in der ein oder anderen Art kennt: da ist das polnisch-moldawische Paar, das fleißig bei allem rund ums Haus hilft, mehr oder minder zuverlässig, aber engagiert und durchaus schlagfertig (z.B. wenn es um fremdenfeindliche Aussagen geht). Da ist der Nachbar aus der Datschensiedlung, mit dem man sich gut stellen muss, eigentlich ein Unleidlicher, der Chef sein möchte, es aber auch weiß zu vereinen und eine nicht sonderlich lautere DDR-Vergangenheit hat. Und da ist die Erzählerin, die detailliert und stimmig die Natur rund um das Ferienhäuschen mit Alleinruhelage beschreibt, uns kurze Einblicke in liebgewonnene Traditionen zu geben, so etwa eine regelmäßige Freundesfeier, die sich im Laufe der Zeit verständlicherweise ändert und mit Verkauf des Hauses endgültig ein Ende nimmt, und uns auch in ihre eigene Gedankenwelt mitnimmt, die von Freude, Sorgen, Anfängen und Enden geprägt sind.
Erzählt wird nicht etwa chronologisch, sondern so, wie die Gedanken sprießen, was zur Folge hatte, dass das Folgen nicht immer einfach ist. Aber da das Geschriebene wirkt wie ein lockeres Geplauder, ist das nicht weiter schlimm. Jedenfalls wirkt es authentisch, die Höhen und Tiefen, die vor allem in Konflikten mit den pikierten Nachbar*innen oder mit Schrebergartenproblemen spürbar sind, aber auch in einer nicht erfüllenden Liebesbeziehung, schwingen durch die locker-flockige Erzählweise wie ein springender Gummiball, den man nicht allzu ernst nehmen kann. Man spürt im Erzählten die österreichische Gelassenheit und die hervorragende Beobachtungsweise der Autorin.
"Alleinruhelage" wird als Roman betitelt, auch wenn es für mich eher ein autofiktionales Erlebnispotpourri ist, ohne, dass uns die Autorin zu viel über ihr Leben verrät. Ich habe es als sehr innovative Idee empfunden, Erinnerungen festzuhalten, die an ein Haus geknüpft sind, bei dessen Abschied peu á peu das Erlebte wieder auf ploppt. Es ist ein Buch, bei dem ich mich aufgrund der fantastischen Beobachtungsgabe der Autorin sehr wohl gefühlt habe, auch wenn es keinen enormen Sog erzeugt hat.